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ein, ſügte aber noch die Schluß-Erinnerung bei, er habe die Uhr eine Woche vor dem verübten Morde in ein Kabinet gelegt, das er ſeitdem mit keinem Fuße wieder betreten, er könne daher durchaus nicht ermitteln, wie ſie von dort weggekommen ſei. Dieſe Vertheidigung, wenn ſie anders den Namen ver— dient, half ihm wenig oder eigentlich gar nichts. Die Jury erklärte ihn für ſchuldig und der Richter forderte ihn vor dem förmlichen Spruche zur Appel— lation auf. Plözlich ſchien der bereits Verurtheilte alle alte Geiſteskraft wie— dererlangt oder ganz neue gewonnen zu haben: er proteſtirte feierlich und laut gegen das ungerechte Urtheil, forderte die Nichter auf, ſeinen Worten zu glauben, wie denen eines ſterbenden Mannes, der ſein Leben durch keine Lüge beflekt habe.„Ich bin unſchuldig“, rief er,„darauf ſchwöre ich den theuren Eid: So wahr mir Gott helfe und ſein heiliges Evangelium!“
Das mag einen Menſchen erbarmen, aber nicht das Geſez und ben Rich— ter. Der unſchuldig Angeklagte wurde auch unſchuldig verurtheilt. Er hörte die Worte des Urtheils, verbarg das Geſicht in die Hände und ſchluchzte laut. Er wurde von den Schranken entfernt und in ſeine einſame Zelle zurükge führt.
(Beſchluß folgt.)
Leitung der Novitäten und Anfichten.
Theater.
Wien(9. Auguſt). Herr von Bauernfeld beſchenkte das k. k. Hof⸗ burgtheater mit einem neuen Luſtſpiele: „Vürgerlich und romantiſch.“ Die Fa⸗ bel des Stükes iſt zwar nicht ſo ſinnig erfunden, und die Fäden derſelben nicht ſo überraſchend und intereſſant verwebt, als wir es wünſchten, aber dafür ſind einzelne Szenen, wie dies bei allen Bauernfeld'ſchen Arbeiten der Fall iſt, mit wahrer Meiſterſchaft ausgearbeitet, der Dialog wizig und elegant und die Zeichnung der Charaktere gelungen. Nun kommt noch dazu, wie dieſes Luſt⸗ ſpiel gegeben wird. Ein wahrer Wett⸗ eifer der eminenteſten Künſtler, der es dem entzükten Zuſeher rein unmöglich macht, zu entſcheiden, wem der Preis der Vollendung gebühre.— Im k. k. Hofopern- Theater erſchien Körners: „Nachtwächter“ als Operette. Die Muſik von Hrn. Grutſch, Orcheſter— direktor dieſes Theaters, hat recht
liebliche Stellen und fand Anerken- nung.— Im Theater in der Joſeph— ſtadt eröffnete Mad. Kraus- Wranitzky neuerlich eine Reihe von Gaſtvorſtel⸗ lung mit dem„Bravo“ und ward mit Beifall überſchüttet.— Frau von Ri⸗ bies gaſtirte auf der Leopoldſtädter Bühne als Käthchen von Heilbronn und gefiel.„Die Fee aus Frankreich«“ erſchien wieder nach langen Jahren auf dem Repertoir und machte ihre alten Rechte geltend, id est: man lachte viel. Hr. Quandt geht auf Gaſtrollen nach Agram. Mad. Thal, Schauſpie⸗ lerin und Hr. Jermier, Regiſſeur des Theaters in d. Leopoldſtadt, vertauſch— ten an einem Tage das Zeitliche mit dem Ewigen. An Lezterm verliert die Bühne ein brauchbares Mitglied.— Im Theater an der Wien gab Herr Scholz zu ſeiner Venefize eine neue Poſſe von Schickh:„Entführung über Ent— führung, oder der Onkel aus Ame⸗ rika. Die Kritik erröthet, wenn ſie aufgefordert wird, derlei Dinge zu beleuchten— und ſchwieg. Adiaphoros.


