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vorzüglich Gemüth nicht zu verkennen. In lezterer Hinſicht jedoch bedarf es einer Darſtellerin, wie Mad. Schr. Devrient, um die gehörige großartige Wirkung hervorzubringen; ein minder begabtes Talent, und wäre es noch ſo ſehr von der Natur geſegnet, würde vielleicht darin ſcheitern. Aber unſere gefeierte Gaſtſängerin entfaltete eine ganze Eneyklopädie der Geſangkunſt, und wirkte mit den ihr zu Gebote ſte⸗ henden Mitteln auf eine ganz beſon— dere, eklatante Weiſe auf die Herzen der Zuhörer. Man vergißt oft, daß ſie ſingt, denn jeder Laut trägt das Gepräge der innigſten, wahrhaftigſten Empfindung an ſich, und man muß das nicht Geſang, ſondern Sprache nennen, aber eine in höhern Sphären ſich bewegende Sprache— und das iſt wohl Dasjenige, was der ſogenannte dramatiſche Geſang bedingt. Wenn nun die Stimme der Sängerin auch keine Glokentöne mehr hervorzubrin— gen vermag, rühren, bis ins Innerſte der Seele eindringen wird ſie gewiß— — und ſolche Töne gelten doch gewiß mehr als hohle Klänge!—— Die Künſtlerin iſt von dem gerechten Pu— blikum 5 Mal vorgerufen worden.— Hr. Watzin ger, Elvino, ſang recht nett und gefiel allgemein.— Die ganze Oper hat nur mittelmäßig angeſprochen, ſie muß wiederholt ange— hört werden.— Die ſechſte Gaſtrolle der Mad. S. D. war Leonore in Beet⸗ hovens„Fidelio“, die ſie am 10. Sept. gab.— Man glaubt, daß die Künſtle— rin noch auf fernere 6 Rollen engagirt iſt.— Zu erwarten haben wir dann einen neuen theatraliſchen Genuß, da Hr. Kunſt, einer der vorzüglichſten Schauſpieler Deutſchlands, auf meh⸗ rere Gaſtrollen hier eintreffen wird. J. Minderleeb. Baden(nächſt Wien.) Sehr lobenswerth iſt das ſtette Bemühen des
Hrn. Scheiner, welches auch das Publikum nicht verkennt. So wie Hr. Scheiner ſtets für neue Erſcheinungen zum Vergnügen des Publikums bedacht iſt, eben ſo human und zuvorkommend iſt er gegen ſeine ſchäzenswerthe Mit— glieder, die alle einſtimmig und uner⸗ ſchöpflich im Lobe ihres Direktors ſind. Dieſe Liebe für den Leiter erleichtert den Mitgliedern die ſchwere Arbeit, in kurzer Zeit neue Rollen zu liefern. Es wäre daher unbillig, wollte man ſich mit einigen Vorſtellungen, nament— lich mit denen der Oper, wenn ſie auch hie und da nicht ganz gelungen ge— nannt werden können, nicht zufrieden ſtellen. Legen wir aber einen ſtrengern Maaßſtab bei dem Schauſpiele an, ſo muß das Reſultat doch erfreulich ge⸗ nannt werden. Hr. v. Holtey leitet hier das Schauſpiel, und Badens Pu- blikum weiß ihm Dank dafür.—„Dich— ter und Schauſpieler“,„ein Tag vor Weihnachten!„der häusliche Zwiſt“, „die Einfalt auf dem Lande“, Rau- pachs„Robert der Teufel“«, waren Vorſtellungen, mit denen jeder Bil— ligdenkende ſich zufrieden ſtellen mußte. Von den Mitwirkenden nennen wir als vorzüglich: die Damen Pann, Holtey, Arbeſſer, Hopf und Herzog. In„Ein Tag vor Weihnachten“ nen— nen wir als beſonders ausgezeichnet Mad. Dietrich.— Die Herren Die—
trich, Kindler ſind als denkende rou⸗
tinirte Schauſpieler bekannt, die Her⸗ ren v. Holtey, Roll, Arbeſſer und Gehrig ſind in ihren Fächern nicht min⸗ der verwendbar, und die Herren Wagner, Waker, Platzer ſind viel verſprechende Anfänger. Hr. Rott macht jede wei⸗ tere Bemerkung über die Vortrefflich⸗ keit dieſes köſtlichen Komikers, dem die Schranken der Decenz ſtets heilig ſind, überflüſſig. Das Publi⸗ kum ſtrömt ins Schauspielhaus, und dieſes iſt der ſchönſte Beweis für die


