Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
580
 
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nes Wegbleibens geweſen; ebenſo hatte ſie ganz Recht, wenn ſie ihm Schuld gab, er laſſe ſich überall in ſchlechter Geſellſchaft ſehen. Sein Prinzipal ſeufzte bei ſolchen Nachrichten, denn er hielt ſie für wahr, wie ſie es auch waren, und bedauerte Simon's Veränderung; allein nicht einmal fiel es ihm ein, daß eine harte Behandlung durch ſelne Frau das Alles herbeigeführt haben könnte. Und doch war es ganz ſo. Von Zeit zu Zeit verſchwanden auch, wie Miſtreß Edwards ihrem Manne klagte, allerhand Kleinigkeiten, und ihre ärgerliche Beſchwerde darüber wurde jedesmal in Simon's Gegenwart geführt. Dabei fehlte es denn nicht an Aeußerungen der Verwunderung, wer in aller Welt der Dieb ſein möchte, ſo wie an Behauptungen, daß dergleichen ohne fremde Hände nicht aus dem Hauſe kommen könnte, wobei ihr kurzweiliger Mann nie vergaß zu bemerken, daß dies gar wohl möglich wäre, wenn die Dinge nur Füße hätten. Ihre oft wiederholte Erhizung bei ſolchen Gelegenheiten ver wandelte ſich zulezt in wirklichen leidenſchaftlichen Haß und ſie ließ nicht ſelten ihrer Herzensmeinung ſo ungezügelten Lauf, daß ſie frei erklärte, es ſtehe nicht zu begreifen, welchen Nuzen es ſchaffe, einen Müßiggänger, Faullenzer und Herumläufer im Hauſe zu behalten. Dabei wurden auch andre wenig ehr bare Titel geſpart und gar kein Hehl mehr daraus gemacht, daß alle dieſe Schmahungen gegen den unglüklichen Simon vom Stapel gelaſſen würden. (Fortſezung folgt.)

Die Kutſcher in Amerika.

Der amerikaniſche Kutſcher unterſcheidet ſich von dem europaiſchen gewal⸗ tig. Er iſt gewöhnlich böchſt nachläſſig angezogen, trägt eine Kattunſake, nie⸗ dergetretene Schuhe und einen alten Strohhut, hat alle Augenblike etwas an dem Geſchirre der Pferde und an dem Wagen zu fliken und zu klopfen, und ſpringt dann mit überraſchender Behendigkeit auf ſeinen Siz. Dabei kümmert er ſich um die Geſundheit und ganzen Glieder der Reiſenden nicht im Mindeſten und kommt nie in Verlegenheit, welche Hinderniſſe ſich ihm auch entgegenſtellen mögen. Er fährt über die entſezlichen Knütteldämme im Ga lopp, blizſchnell um die Eke und durch Graben, wo der kekſte europäiſche Kutſcher gewiß lieber eine Stunde weit umfahren würde.

an, iſt in der Hauptpointe etwas ſehr indecent, aber nicht ohne Intereſſe,

Theater.

Peſth. Am 7. d. M. ſahen wir zum Erſtenmale bei übervollem Hauſe: die Nachtwandlerin, große Oper in zwei Akten, Muſik von Bellini. Mad. Schröder⸗Devrient gab die Ami⸗ na als fünfte Gaſtrolle. Die Handlung iſt ſebr einfach, gehört dem Landleben

und würde ſich als Luſtſpiel ſehr leicht in einen Akt zuſammendrängen laſſen. Die Muſik gehört der frühern Periode des Tonſezers an, wo er ſich noch ſehr an Roſſinis Schule hielt, die beſonders in dem Finale des zweiten Aktes am deutlichſten hervortritt. Im Ganzen aber iſt Melodie, Charakteriſtik und