Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
559
 
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den, nebſt der eleganten Wirthin, ver⸗ haftet, und auf einem Karren ins Ge fängniß von Angouleme gebracht, wo ſie nicht ſo gut traktirt werden dürf⸗ ten. Die Unwiſſenheit des gemeinen Volks in Frankreich iſt theilweiſe noch ſo groß, daß vor Kurzem mehrere Aerz te, die in kleine Orte bei Marſeille geſchikt wurden, um den Cholerakran ken ihren Beiſtand zu leiſten, von dem Pöbel als Vergifter angegriffen wur⸗ den und nur durch die Flucht ihr Le⸗ ben retten konnten. Zu Camoins wur⸗ de der Dr. Roux von den Einwohnern mit einem Steinhagel empfangen, wel⸗ cher ſeinen Gehilfen und den Kutſcher verwundete; er ſelbſt wurde von eini⸗ gen Männern zu Boden geworfen, wel⸗ che ihm das Gewehr auf die Bruſt ſezten, um ihn zur Verſchlukung ſei⸗ ner, für die Kranken mitgebrachten Arzeneien, wie Opium, Kampher und dgl. zu nöthigen. Nur mit Mühe ret⸗ tete ihn die Verwendung einflußreicher Perſonen. Hr. Alexander v. Hum⸗ bold iſt über Havre hier angekommen. In Paris ſucht jezt ein Wiener, Namens Godard, geltend zu machen, daß die Erde unbeweglich ſtill ſtehe, und die Sonne nur 5000 franzöſiſche Meilen von der Erde entfernt ſei! Eine ehemalige Köchin des Grafen Suſſy in Paris iſt, des neulich er⸗ wähnten Vergiftungsverſuchs verdäch⸗ tig, verhaftet worden. Der Handel mit Champagnerwein erleidet in dieſem Jahre dadurch bedeutenden Verluſt, daß die Flaſchen, in welchen bekanntlich die Gährung vorgenommen wird, zerſprin⸗ gen. Ein Kaufmann von Arize meldet, daß ihm ein Fünftheil aller Flaſchen zerſprungen ſei; bei andern Häuſern ſteigt der Verluſt ſogar bis zur Hälfte. Sollte die Chemie ein Mittel entdeken können, ſolchen Schaden zu verhüten? Eine glüklicher Weiſe nicht tragi ſche Geſchichte hat ſich neulich in ber

vornehmen Welt zu Paris zugetragen. Ein junger Herzog, deſſen Vater unter der Napoleoniſchen Herrſchaft und auch zu Anſang der Reſtauration eine wich⸗ tige Rolle im Staate geſpielt hat, und welcher ſeit ungefähr zehn Jahren mit einer ſchönen und jungen Frau verheirathet iſt, aber, wie es ſcheint, in dieſer Heirath keineswegs ſein Glük gefunden hat, war ſchon ſeit einiger Zeit feſt entſchloſſen, die unangeneh⸗ men Verhältniſſe, worin er ſich befand, mit Einemmale zu zerreißen und ſich ſelbſt in Freiheit ezu ſezen. Da aber die Frau und die Schwiegermutter ſehr ſchlau ſind, ſo war er genöthigt, ih rer Schlauheit die ſeinige entgegen zu ſezen. Sein Entſchluß war, all ſeine Habe die ſich auf 100,000 Francs jähr⸗ lichen Einkommens belief, mobil zu machen, und damit anderswo ein glük⸗ licheres Loos zu ſuchen. Es war keine Kleinigkeit, ein ſo beträchtliches Ver⸗ mögen in der Stille in der Geſtalt von Papier und Gold zuſammen zu ziehen, ohne daß die Familie ſeiner Frau Unrath merkte. Alles wurde aber mit ſolcher Klugheit angelegt, daß, als die junge Frau eines Tages auf⸗ ſtand, und hörte, daß ihr Mann ver⸗ reiſt ſei, ſie ſehr erſtaunte. Es ent⸗ ſtand nun folgendes Zwiegeſpräch zwi⸗ ſchen ihr und dem Haus hofmeiſter:Iſt es wahr, daß mein Mann verreiſt iſt? Zu dienen, Frau Herzogin.

Doch nicht auf lange Zeit?Man

ſagt, auf immer.Gott im Him⸗ mel!(der Herzogin ging ein furchtba⸗ res Licht auf). Hat er ſich denn mit

Geld verſehen?Man ſagt, er

habe Alles mitgenommen.O Him⸗ mel! dieſes HotelIſt verkauft. Die koſtbare Sammlung von Edelſtei⸗ nen, die der Herzog ſich angeſchafft? Iſt nicht mehr da.O Him⸗ mel! unſere EquipageHat lezt einen andern Herrn.So