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werde ich alſo zu meinen Eltern zie⸗ hen müſſen.“—„Ich glaube, die Frau Herzogin haben kein anderes Mittel.“ — Glüklicher Weiſe iſt die Familie der Frau Herzogin ſehr begütert. Die vornehme Welt beklagt ſie nicht ſehr, und lacht über die Gewandtheit des unzufriedenen Ehegemahls, der ſich mit einigen Millionen davon gemacht, ohne daß ſeine Ehehälfte das Geringſte davon geahnet hat.(Eine andere Ver⸗ ſion iſt, daß die junge Dame— die Herzogin von Otranto— die Schre— kensbotſchaft erhielt, als ſie eben große Geſellſchaft geladen hatte, und die Suppe ſervirt werden ſollte. In der Beſtürzung bat ſie ihre Gäſte, mit zu ihrer Mutter zum Diner zu gehen; dort war es, wo die bekannte Arſe⸗ nikvergiftung ſich ereignete, an deren Folgen die Herzogin noch immer.
* Aliszellen.
München. Die Regierung hat den, bei den Katholiken auf dem plat⸗ ten Lande üblichen Leichenſchmaus oder Leichentrunk, ein uraltes Herkommen, nach welchen die Angehörigen des Ver—⸗ ſtorbenen die ſämmtlichen Begleiter des Leichenzugs zu bewirthen haben, als einen in pekuniärer und ſanitätspoli⸗ zeilicher Hinſicht ſchädlichen Mißbrauch,
ſtreng verboten. S. London. Die engliſche Mauth hat einen ſonderbaren Fang gemacht. Ein Spielzeugkrämer kam nach Lon⸗ don, er bezahlte die Zölle, und wollte gerade ſeinen Pak wieder zumachen, als ein Mauthoffizier ihn bat, ihm ein kleines Pferd von Pappendekel zu ſchenken für ſein Kind. Der Krämer weigerte ſich ausdrüklich, und ziemlich grob, ſo daß der Offizier ſchweigen
mußte. Der Pak wurde zugemacht und in das Magazin gelegt. Der Mauth⸗ beamte hatte aber noch nicht auf ſein Pferdchen Verzicht geleiſtet, des Abends näherte er ſich dem Pak, ſchob die Hand zu einem Spalt hinein, und ergriff den Gegenſtand ſeiner Wünſche; er wollte es mit Gewalt herausreiſen, aber, o Wunder! das Pferd ſpaltete ſich entzwei, eine Hälfte behielt der Mauthbeamte in der Hand, und die andere blieb im Pak, und aus dieſen beiden Hälften kamen in Menge, nicht Helden wie aus dem troyaniſchen Pfer⸗ de, ſondern ſeidene Handſchuhe von franzöſiſcher Fabrikation heraus. Man öffnete bald alle Thiere im ganzen Pak, und man entdekte, daß die Eſel, die Schafe, die Pferde, die Hunde, alle, ohne Ausnahme, mit ſolchen Waa⸗ ren angefüllt waren; kurz, man fand über 174 Paar Handſchuhe. A. Nürnberg. Die Korn'ſche Buch⸗ handlung in Nürnberg hat die aus führ⸗ liche Beſchreibung und Zeichnung einer Maſchine in Verlag genommen, mittelſt welcher Hr. Friedrich Matthies di: Luftſchifffahrt in ihrem vollkommenſten Zuſtande hergeſtellt haben will. Das Werkchen ſoll binnen Kurzem erſchei⸗ nen, und aus den Geſezen und Erfah⸗ rungen der Phyſik ſeine Angaben auf eine Weiſe ſchöpfen, daß es unmöglich ſein dürfte, dieſer Reihe von Vewei— ſen und Thatſachen zu widerſtreben. Hr. Matthies ſoll in ſeinen Anſichten nicht mit den Ideen Anderer, die Luft durch ausſtrömende Dämpfe zu beſchif⸗ fen, oder mit Flügeln unter ſich zu gewinnen zu ſuchen, übereinſtimmen, aber in der Darlegung ſeiner Erfin⸗ dung die Ueberzengung geben, daß dem Menſchen Alles zu beherrſchen möglich
iſt, was der körperlichen Welt unter-
geordnet wurde. Qui vivra, verra! M.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


