Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
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ſterwerk gewählt und die ausgezeich⸗ netſten Künſtler der Neſidenz wirkten mit freundlicher VBereitwilligkeit mit. Am Schluſſe ward ein vom Hrn. Kapellmeiſter K. Kreuzer eigens hiezu komponirter Todtenmarſch exekutirt, in deſſen Trio eine Melodie des Verbliche⸗ nen ſinnig verwebt war, Dieſer Marſch iſt unſtreitig eine der vollendetſten und herrlichſten Kompoſitionen in dieſem genre. Kein Auge blieb troken bel dieſen Tönen, die ſich ſo unwiderſteh⸗ lich in jedes Herz ſchlichen, u. es mit Wehmuth füllten und mit Grabes⸗ ſchauer. Ruhe der Aſche des allgemein verehrten und betrauerten Veteranen! Adlaphoros. Nürnberg. Die Nürnberger lieben ſchon früh am Tage die Koms die. So gab man am 25. Aug. im hie⸗ ſigen Stadttheater, Vormittag 10 Uhr, RaimundsAlpenkönig und Men⸗ ſchenfeind. R.

KRKorreſponden!.

Paris(15. Aug.) Der Tod des friſchen und ſchönen Blumenmäb chens Marie Bouſſieres in der Rue de Couety, die ſich durth Kohlendampf erſtikt hat, weil ihr Geliebter eine Andere nahm, und es ihr mit kaltem Hohne ankündigte, erregt in dieſem Augenblik große Theilnahme. Man lobte ſie allgemein wegen ihren ſanften Sitten und ihres rechtlichen Charak⸗ ters. Einen rührenden Auftritt gab es, als zwei Kohlenbrenner aus den rauhen Gebirgen von Cantal, ihre Brüder, erſchienen, und nun beim An blik des Leichnams, der fürchterlich ver⸗ zerrten Züge, und der von wüthenden Biſſen aus Verzweiflung zerfleiſchten Arme der unglüklichen Schweſter, in die rührendſten Klagen ausbrachen, und beiße Thränen über die diken Bärte herabrollten. Solche Szenen lieben die

Variſer, und es fehlt ihnen wahrlich nicht daran. Aufregungen aller Art ſind in dieſer Stadt leicht zu erlangen. Ein junges Mädchen zu Lorgues, die man ſeit dem 26. Juli vermißt hatte, wurde am 4. Auguſt in einer entlegenen Ciſterne lebend gefunden. Nach ihrer Erklärung war ſie beim Waſſerſchöpfen hineingeſtürzt, und, troz ihres Geſchreis, 9 Tage lang ohne Hilfe geblieben. Ihr Zuſtand erregt keine Beſorgniſſe, obgleich ſie dieſe ganze Zeit ohne Nahrung zubrachte. Ein bedeutender Frachtſpedi teur zu An⸗ gouleme hatte ſeit einiger Zeit die unangenehme Erfahrung gemacht, daß von den Güterwagen, welche er ver⸗ ſendete, viele Pakete und Ballen ge⸗ ſtohlen wurden. Er ſtellte Nachfor⸗ ſchungen an, und kam den Dieben auf die Spur. Er begab ſich daher nach dem bezeichneten Orte, etwa 5 Meilen von der Stadt und auf der Straße von Paris nach Vorbeaur, wo ſich ihm, beim Eintritt in das verdächtige Haus, ein merkwürdiger Anblik darbot. Er ſah neun Männer, deren ſchmuzige und mitunter zerlumpte Kleidung einen grotesken Abſtich gegen den mit der feinſten Damaſtleinwand bedekten Tiſch darbot, an melchem ſie ſaßen, und die von Schüſſeln und Tellern von reich gemaltem und vergoldeten Porzellan ſpeiſten. Die Hauswirt hin trug um den Kopf ein ſchönes indiſches Kopf⸗ tuch, und der koſtbarſte Kaſhmirſhawl prangte um ihre Schultern. Auf den Nebentiſchen ſah man ganze Reihen leerer Flaſchen, deren Etiketten den feinſten Burgunder und Champagner⸗ wein nannten, und die Geſellſchaft war gerade beſchäftigt, einen Zukerhut un⸗ ter jubelndem Geſange in eine gewal⸗ tige Bowle mit Arrak zu werfen, als der Spediteur mit zahlreicher Wache eintrat und der Freude ein Ende mach⸗ te. Dle berauſchten Schwelger wur⸗