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pers mit eiſernen und ſteinernen Gewichten; man gibt ihm Waſſer und Brod, aber abwechſelnd, ſo daß er, wenn er ißt, nicht trinken, und wenn er trinkt,
nicht eſſen darf. Dies dauert fort, bis er ſtirbt.
die in dieſem Zuſtande fünf und ſechs
Man führt Perſonen an, Tage, ja noch länger gelebt haben.
Nach dem Aufſtand in Schottland 1745 ſah man davon mehrere Beiſpiele. Hun⸗ dert und ein und neunzig Unglükliche fügten ſich in dieſe gräßliche Todesart, um ihren Familien ihr Vermögen zu erhalten.
Theater.
Wien(26. Auguſt). Im Hof⸗ operntheater ſahen wir eine neue ko⸗ miſche Oper nach dem Franzöſiſchen: „Das blaue Barett.“ Nach langer Zeit eine Novität, die ſich aber kaum be⸗ merkbar machte. Im Hofburgtheater erſchien ein Luſtſpiel von Hrn. Coſte⸗ noble:„Gleiche Wahl“ und gefiel. Die Joſephſtädter Bühne führte uns ein komiſches Vallet von Fabbri:„Die 4 Charaktere“ vor, welches uns von Neuem überzeugte, wie talentvoll und erfindungsreich Herr Fabbri ſei. Eine komiſche Oper in 2 Akten von Labarre hingegen:„Der Seekadet“, hatte ſich keiner ſo beifälligen Aufnahme zu er⸗ freuen, obwohl die darin beſchäftigten Mitglieder Alles leiſteten, was man billigerweiſe fordern kann. Der ſpär⸗ lich geſpendete Applaus mag auch im— merhin nur den Mitwirkenden gegol⸗ ten haben, da die Muſik ſelbſt wenig Beifallwürdiges enthält. Nai mund hat nun ſeine drei Gaſtrollen im leo⸗ poldſt. Theater, als Valentin, im „Berſchwender“, geendet, und wird ſich nun auf ſeine Kunſtreiſe nach Prag und München begeben. Die dritte Vor— ſtellung des„Verſchwenders“ widmete die liberale Direktion dieſer Bühne der Kleinkinderbewahranſtalt im Ler⸗ chenſelde und Hr. Raimund gab den
Valentin in Verükſichtigung des edlen Zwekes mit Verzichtleiſtung auf das Honorar. Sowohl Hr v. Marinellt als Hr. Raimund haben ſich dadurch den wärmſten Dank einer Anſtalt ver⸗ dient, deren Nuzen bereits allgemein anerkannt iſt.— Kunſt's Gaſtſpiele gehen fort und füllen die Kaſſe. Unter andern ſpielte er neulich die Titelrolle in einem ganz nagelneuen romantiſchen Ritterſchauſpiel, benamſet:„Raugraf Diether von Daſſel, genannt der Küh— ne“ oder„der ſchwarze Ritter aus dem Morgenlande.“ Sie werden ent⸗ ſchuldigen, Herr Redakteur, wenn ich geſtehe, daß ich es nicht über mich ver mochte, dieſes Stük mit dem Rieſen⸗ titel anzuſehen. Der Titel allein könnte mich krank machen, wie muß das Stük erſt ſchädlich auf ſchwache Nerven wirken. Ich hoffe, daß mein Collega Pollicinello mehr Muth als ich gehabt habe, die Produktion zu riski⸗ ren, und da erfahren Sie ohnedies, was daran ſei. Wahrſcheinlich wird die Antwort auf die Frage: Wie heißt das Stük mit dem langen Titel? ſo lauten: Es heißt gar nichts! Am 22. d. M. ward ein feierli⸗ ches Requiem für den hingeſchiedenen Kapellmeiſter Müller in der Pfarr⸗ kirche zu St. Leopold in der Leopold- ſtadt von der Direktion und den Mit⸗ gliedern des leopoldſt. Theaters abge⸗ halten. Es ward dozu Mozarts Mei⸗


