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That glänzten ihre Augen bei dem zweifelhaften Scheine des ſtets flatternden Lichtes mit einem ſo unheimlichen Feuer, als ob ſie auf die Eintretende her⸗ niederſtarrten. Dort aber winkte der ausgebreitete Schimmer der Diamanten, und lud ſie ein, dieſe Scheu zu überwinden. Mit Bangen trat ſie davor hin, und behutſam, die Freude dieſer Stunde an keinen fremden Zeugen zu ver— rathen, wählte ſie Stük für Stük, bis das Bild ihrer Sehnſucht vollendet war. Da trat ſie vor den Spiegel, in banger Ungeduld erzitterte ihr Herz, hoch klopfend— ſie wußte nicht, ob vor Schauer, ob vor Glük.—„Ach,“ rief ſie aus,„wer da Zeuge wäre— Zeuge dieſes Augtnbliks— der käme gewiß mit ſehnſüchtigem Verlangen, um mich für immer an ſich zu reißen!—
Da fühlte ſie ihr Diadem ergriffen, und als ſie emporblikte, da ſchaute ſie ausgeſtrekt über ihrem Haupte eine ſchwarze Rieſenfauſt— eine Geſtalt trat aus dem Spiegel, graunvoll, übermenſchlich— ihr Blik war tödtender Bliz.—
Doch nein!— Nie vermochte ſie's, dieſe Erſcheinung zu beſchreiben. Ohnmächtig ſtürzte ſie auf den Voden hin.—
Während dieſes im Prunkſaale vorging, drängten ſich drüben im Schlaf gemache die Ereigniſſe des heutigen Tages an die Seele des Grafen. Er muß⸗ te ſich geſtehen, von ſeinem Unmuthe hingeriſſen, allzuweit gegen das Weib ſeiner Liebe gegangen zu ſein, und der Schlaf floh ſeine Augenlieder, als hätte er ſchweres Unrecht begangen.
Er ſtand auf, er wollte zu Roſaliens Lager hin, ſie ſollte ihm verge⸗ ben, wenn er zu hart gegen ſie geweſen.— Horch! da drang mit einmal ein Schrei des Entſezens, durchdringend, markzerſchneidend in ſein Ohr und un⸗ mittelbar darauf ein lauter donnernder Schlag, einem Sturze ähalich. Kaum faßte er die Gegend, aus welcher der Schrei gekommen, noch deutlich auf, als er auch ſchon wie ein aufgeſcheuchter Eber hinaus ſtürzte, den Gang durchflog und die Thüre des großen Prunkſaals aufriß, wo er den Hilferuf vernommen. Ein einziges Licht, von dem ſtarken Luftzug noch überdies fla⸗ kernd hin und hergetrieben, beleuchtete den weiten, düſteren Raum mit ſpär⸗ lichem Schimmer, den Grafen ſchauerte es kalt an und es war ihm, als zer⸗ flöße bei ſeinem Eintritte ein unförmlicher Schatten in der Dämmerung. Der weite Prunkſaal ſtand leer— nur der Spiegel am Mittelpfeiler war zerſchla— gen, und am Boden lag, ausgeſtrekt und ohne Lebenszeichen, die Gräfin.
Jezt gingen mehrere Thüren des Schloſſes auf. Der Schrei, der Sturz hatten die Dienerſchaft gewekt, und man kam mit Lichtern herbei. Noſalie ſchien getödtet. Bleich, Puls und Herzſchlag erſtarrt, lag ſie in ihrem Prachtgewande auf dem Boden. Ihr gegenüber hing der zerſchmetterte Spie⸗ gel. Unſchlüſſig ſtand Alles. Niemand hatte den Muth, Hand anzulegen— oder auch nur ein Wort zu ſprechen. Erſt der Wink des Grafen brachte Leben und Veſinnung in die Dienerſchaft zurük, welche die unheimliche Nähe des unſichtbaren Zeugen, deſſen Einſpruch das zerſchmetterte Spiegelglas verkün⸗ dete, mit Grauen und Entſezen überſchauerte. Endlich erhob man die Graf und trug ſie mit aller Vorſicht auf ihr Zimmer.
Als ſie nach langem Erſtarren auf ihrem Zimmer erwachte, erkannte man bald, daß ihr Verſtand gelitten. Zwar heilte ſie die Zeit von diefen
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