Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
550
 
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6. Der Empfehlungsbrief.

Einen Empfehlungsbrief bracht' er von gewichtigen Handen: Wer verſagte ihm den wenn er vom Leibe ihm bleibt

Theater.

Peſt h. Mad. Schröͤder⸗De⸗ vrient, k. ſächſ. Hofſängerin, iſt auf unſerer Bühne erſchienen. Sie trat am 27. d. M. als Romeo bei bedeu⸗ tend erhöhten Eintrittspreiſen und ziemlich vollem Hauſe auf. Eine große Sängerin, die mit ihrer Stim me zaubern kann! Hohe Kunſt im Vor⸗ trage und volle Herrſchaft über ihre noch in Jugendfriſche ſtehende Stim me. Gigantiſch im Spiele. Sie gab den Romeo als Mann, wie er ſein ſoll; man vergaß das Weib, wie es ſein ſoll. Große wohlberechnete körper⸗ liche Kraftentwikelung zu Ende des zweiten Aktes. Ganz beſondere und außerordentliche Mimik am Sarkophage der Julie. Stürmiſcher Beifall ih⸗ rer ganzen Leiſtung überhaupt, und insbeſondere dem erwähnten Ende des zweiten Aktes, das wiederholt werden mußte. Die Künſtlerin ward neun Mal gerufen; beſcheiden führte ſie ſtets Mad. Mink vor, die als Julie vor⸗ trefflich ſang. Hr. Erl, Tybalt, ſehr brav. Mad. Schr.⸗Devrient ſoll noch auftreten: als Euryante, Desdemona (Hr. Erl, Othello), imFreiſchüz, Fidelio und in derNachtwand lerin. J.. N. Wien.(25. Auguſt).Wandle auf Roſen, und Vergißmeinnicht iſt ein altes Stammbuchſprüchlein. Ich würde es gerne bei Guldens neuem Produkte anwenden, allein, will lich und Hr. Gulden auf Roſen wandlen, ſo muß ich dieſe Leiſtung vergeſſen. Hätte Hr. Schickh dieſe Zauberpoſſe ge⸗ ſchrieben, ſo würde ich mich günſtig dar über geäußert haben, aber bei Hrn.

Leitung der Novitäten

Gulden ſoll und muß ich einen ſtrengern Maaßſtab anlegen. Gulden iſt von ſeiner ſonſtigen Bahn abgewichen und ſchon darum iſt er zu tadeln, und ich ſcheue mich nicht laut zu ſagen:die Junggeſellenwirthſchaft im Monde iſt mißrathen. Ich glaube noch dem Hrn. Verfaſſer, weil er mir lieb iſt, einen Gefallen für die Zukunft dadurch er⸗ zeugt zu haben. Die Mitwirkenden hatten wenig Gelegenheit ſich auszu⸗ zeichnen, doch iſt es nichts als billig, die Mad. Scutta und die Delle. Jä⸗ ger, ſo wie die HHru. Scutta, Haus⸗ mann und Tomaſelli lobend zu erwäh⸗ nen. Wenn die vis comica im Fallen über Kortinen- oder ſonſtigen Latten beſteht, ſo müſſen wir Hrn. Landner als ausgezeichnet, und mit draſtiſcher Komik wirkend nennen. Die Muſik vom Herrn Kapellmeiſter Nidetzki iſt recht gelungen. Dienſtag, den 18., war zum Vortheile des Hrn. Landnerder Ver ſchwender, von F. Raimund, worin der geſchäzte Hr. Verfaſſer mitwirkte, und ich glaube durch dieſen Zuſaz ge nug geſagt zu haben. Dank der thä tigen Direktion! Im k. k. Hofburg⸗ theater ſah ich Donnerſtag ein neues zweiaktiges Luſtſpiel von C. L. Coſte⸗ noble, betitelt:Gleiche Wahl. Ein nettes unterhaltendes Luſtſpiel. Der wakere Adam(der einzige unſerer Tagsreferenten, der den geraden Weg geht) hat das Sujet ganz vortrefflich in dem geſtrigen Blatte der Theater⸗ zeitung mitgetheilt, und ich ſtimme ganz ſeiner Meinung bei.Albrecht Dürer in Venedig ging dieſem Luſt⸗