Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
551
 
Einzelbild herunterladen

551 1

ſpiele vor. Das war wieder ein äſtthe tiſcher Genuß. Ich brauche nur die Namen Anſchütz und Korn zu nennen, und man hat den Dürer und Ti⸗ zian vor ſich. Wir erwarten auf dieſem Hoftheater nächſtens ein neues Luſt ſpiel von VBauernfeld, welches den Ti tel:Nomantiſch und Bürgerlich führt. Das k. k. Hofoperntheater führte uns eine neue komiſche Oper(2) vor:Das blaue Varett. Dem Ver⸗ nehmen nach ſoll es nicht ſchlecht ſein, dann wäre aber dieſes blaue Barett wirklich ein blaues Wunder. Auch Hr. Hammermeiſter, k. preuß. Hofſänger, trat inDon Juan, als Don Juan auf. Der Ruf beſtach mich. Delle. Hen⸗ kel(Zerline) war allerliebſt, ſo wie Hr. Staudigel ausgezeichnet. John Field gab vier muſikaliſche Akademien, die lezte auf Verlangen. Noch nie ha be ich ſo Klavierſpielen gehört, und wir haben doch hier ausgezeichne te Pianiſten. Es iſt intereſſant, die ſen alten Mann mit ſeinem ſchleppen den Weſen beim Inſtrumente ſizen zu ſehen, und ein wahrer Göttergenuß ihn ſpielen zu hören. Eine zweite merkwürdige Erſcheinung iſt hier Herr Guſikow, Virtuos auf dem Holz- und Stroh⸗Inſtrumente, das er ſelbſt er- funden. Staunenerregend iſt ſeine Ge läufigkeit, wunderbar das Gefühl, mit welchem er ſeinem Inſtrumente die zar⸗ teſten Töne entlokt; kurz, ein Paga⸗ nini. Er ſpielte im Joſephſtädter Thea⸗ ter, wo wir auch eine neue Piece, be⸗ titelt:Die kleinen Wilddiebe, von L. Angely ſahen. Das Ganze hat kei nen Halt, item unterhaltlich, worin mir Hr. Koch als Matois und das Exer⸗ ziren der acht Mädchen beſonders gefiel. Die Muſik iſt von Hrn. Ott recht nett arrangirt.Der See-Kadet, eben⸗ falls eine Neuigkeit auf dieſer Bühne, ſoll angeſprochen haben. Im Wiedner Theater produzirt ſich Hr. Dallot als

Domi mlt vielem Beifalle.Nurreddin der Löwe, ein ungeheuer großes Schauſpiel, war die Benefize-Vorſtel⸗ lung des Hrn. Kunſt. Kotzebue ſchrieb 4 Akte davon, und da war es ein gro⸗ ßes Schauſpiel, ein Akt wurde noch dazu geſchrieben, ſo müſſen wir es un⸗ geheuer groß nennen. Es iſt heillos! Jezt wird gar der arme Kotzebue be⸗ arbeitet u. verarbeitet! Samſtag, den 15., fand ein außeror dentliches Sommer-Aſſemblée im Volks⸗ garten, zum Vortheile des Hrn. Joſeph Lanner ſtatt, bei welcher Gelegenheit der Benefiziant ſeine jüngſten Walzer zum erſten Male produzirte, welche verdientermaßen recht günſtig aufgenom men wurden. Die Kompoſition iſt recht artig. Vei dieſer Gelegenheit kann ich nicht unterlaſſen einem hieſigen Blatte mehr Aufmerkſamkeit anzuempfehlen, um vorſichtiger in der Aufnahme ſeiner Referate zu ſein. Dieſes Blatt glaubt mit dem Dreiundzwanziger gut zu fahren, es ſchadet aber nur ſich ſelbſt. Ein Referat in dieſem Blatte, mit 23 unterzeichnet, geht wegen ſeiner Lobhudelei ſchon ins Lächerliche. Sol ches Lob ehrt den Künſtler nicht, er⸗ niedrigt nur die Kritik und macht den Referenten verächtlich. Möge dieſes Blatt dieſe Rüge nur als Freund⸗ ſchaftsdienſt von meiner Seite anſehen, und dem Dreiundzwanziger nicht freie Zügel laſſen. Dieſe kleine leidenſchaftsloſe Bemerkung glaube ich der Kunſt, glaube ich der Kritik(die leider bei uns noch auf keiner merkli⸗ chen Stufe ſteyt) ſchuldig zu ſein. Policinello.

Miszellen.

Berlin. Der von der Teyler' ſchen Societät in Harlem ausgeſezte Preis von einer goldenen Medaille zum