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bat ſich übrigens den Trunk ſo angewöhnt, daß man ſich faſt wundern muß, warum freiwillige Verbrennung nicht häufig bei ihnen vorkommt. Ich habe Gläſer voll Branntwein mit faſt unglaublicher Schnelligkeit hinuntergießen ſeben; ſelbſt Knaben von zwölf bis vierzehn Jahren trinken mehr Branntwein, als ein engliſcher Kohlenmann. Die höhern Stände ſteigern vielleicht dies Uebel durch ihr Beiſpiel, denn bei dieſen iſt zwar der Trunk ſelbſt nicht häu⸗ ſig, aber mehrmals den Tag über pflegt man ein Schnäpschen zu trinken.“— „Die Kleidung der Frauen war oft nachläſſig und unanſtändig; beim Sonn⸗ tagsſtaate aber tragen ſie viel ſilberne Schmukſachen, die häufig merkwürdig und antik ſind. Manche laſſen ihr Haar frei, wie es will, um den Kopf flat⸗ tern, ſo daß ſie ausſehen, wie die Hexen Macbeths; andere aber flechten es in Zöpfe. In Vors muß jedes gefallene Mädchen eine Müze tragen. Schnür⸗ lelber ſind unbekannt, und viele tragen im Sommer nichts, als das Hemd und einen Rok, ſo daß die Vruſt ganz frei und bloß bleibt. Wenn es junge Frauen und Mädchen thäten, ſo möchte es noch hingehen, aber man ſieht auch alte ſiebenzigjährige Frauen ſo bloß gekleidet, die gewiß keinen reizenden Anblik gewähren. In andern Gegenden iſt indeß die Kleidung anſtändiger.“—„In einem Theile des Landes, wo die Vergpäſſe und Abgründe ſchwierig und ge— fährlich ſind, ſieht ein Leichenzug ſeltſam genug aus. Der Leichnam wird in ein Tuch geſchlagen und auf ein Brett gelegt, an deſſen Enden Löcher gebohrt ſind. In dieſe macht man Handhaben von Striken und ſo tragen die Leiche zwei Männer, einer vorn und einer hinten, bis zu einem Gute, wo man ſle in einen Sarg legt, worin ſie endlich auf den Kirchhof gebracht wird. An manchen Stellen iſt auch dies nicht anwendbar. Dort ſezt man den Todten auf ein Pferd, bindet unter dem Bauche deſſelben die Beine zuſammen und lehnt ihn nach vorn. So reitet der Todte über die Gebirge zu ſeiner Ruheſtätte in's Grab.“
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1. Das delikate Journal. Neue Schnitte für Damenkleider, Gedichte, Novellen, Und fär Botaniker blüht hinten ein eigener Strauß. 2. Jug endſchriften.
„Jugendſchriften! Ei ſchön! darf man ſie der Jugend empfehlen?“ Schriften, nicht für ſie ſind's— aber geſchrieben von ihr.
3. Traum und Dichtung.
Dichterleben wandelt im Traum!— drum Heil euch ihr Dichter, Wird der Traum zum Gedicht;— aber ihr dichtet im Traum!“
4. Recipe recensionem.
Waker— wie immer ſpielte Herr R., im Geiſt ihrer Rolle Wirkte Madame P... aber das Haus war nicht voll.
5. Meine größte Reiſe. Muſe, du gute, beſorgſt uns auch Erdäpel aus Pommern, Als ich die Strophen durchlas— glaubt' ich nach Potsdam zu geh'n.


