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ſentlichen Blättern erwähnten Mädchen, welche nach dem Tode ihres Geliebten, eines Schiffskapitäns, ein paar Jahre Matroſendienſt verrichtete, bis endlich ihr Geſchlecht entdekt wurde, aus ſei⸗ ner Schatulle eine jährliche Penſion von 10 Pfd. Sterl. zugeſichert. M. Stokyol m. uralte Niddarholmskirche bietet einen höchſt traurigen Anblik dar, und gleicht an vielen Stellen einer Ruine. Am 28. Juli Morgens 8 Uhr, ſchlug nem⸗ lich bei einem ſtarken Gewitter der Bliz in die oberſte Spize des Kirch— tburms unterhalb der Kugel, auf der das vergoldete Kreuz ruht. Der Strahl ſchien nicht gezündet zu haben, allein dies war, wie ſich erſt nach mehreren Stunden auswies, allerdings der Fall, und das Feuer griff allmälig in dem Grade um ſich, daß es, ungeachtet der zwekmäßigſten Löſchungsmaßregeln, nicht allein die äußern und innern Theile der Kirche ſelbſt ergriff, ſondern auch erſt am 29. völlig gedämpft werden konnte. Das berühmte Grabmal Gu⸗ ſtav Adolphs iſt glüklicher Weiſe un⸗ beſchädigt geblieben, wie denn über— haupt im Innern, wie im Aeußern, der gegenwärtige Zuſtand der Kirche von der Beſchaffenheit iſt, daß eine ziemlich vollſtändige Wiederherſtellung des Gebäudes nicht außer dem Bereich der Möglichkeit liegt. Das Gebäude war ehemals ein Franziskaner-Kloſter und der Grundſtein zu demſelben wurde im Jahre 1280 gelegt. P. London. Ein hieſiger Kauf⸗ mann, Browning, beſtellte vor einiger Zeit bei einem Mechanikus Wild ein Beſtek, das er bald zu haben wünſchte. Der Mechanikus verſprach es ihm für den nächſten Samſtag. Kann ich darauf rechnen, fragte Browning, ich liebe nichts mehr als Pünktlichkeit. Rechnen Sie feſt darauf, erwlderte der Mecha— nikus, ich müßte denn vor Samſtag
Die berühmte,
ſterben. Der Kaufmann ging. Der Samſtag kam, ohne daß dasl Beſtek erſchien. Sogleich begab ſich Browning zu den Herausgebern der bekannteſten Londoner Tagesblätter und ließ fol⸗ gende Anzeige einrüken:„Die Künſte, vor Allem aber die Mechanik, baben einen empfindlichen Verluſt erlitten. Der berühmte Mechaniker Wild iſt in dieſer Woche ſeiner zahlreichen Familie nach einer kurzen Krankheit durch den Tod entriſſen worden.“ Browning be⸗ gnügte ſich damit nicht. Er ließ Ein⸗ ladungsſchreiben zu Wilds Begräbniß druken, und ſchikte ſie an alle Mecha⸗ niker Londons. Am andern Morgen erſchien Wild in der größten Beſtür— zung. Sein Beſtek war nur um einen Tag verzögert, aber er brauchte we⸗ nigſtens eine Woche, um die Nachrich⸗ ten von ſeinem Tode zu widerlegen. Wollte übrigens Jeder, beſonders mit den Schneidern, ſo verfahren, dem ein Verſprechen nicht gehalten würde, ſo müßten alle Journale der Welt weiter nichts ſein, als lange e
Berlin. Ein Pächter, der ſei⸗ ner gnädigen Gutsbeſizerin perſönlich den Pachtzins ablieſerte, war ganz er— ſtaunt, dieſe alte Dame, die er ſchon früher oft geſehen, mit Einemmale hochroth geſchminkt, mit falſchen Zäh⸗ nen und jugendlichen Loken vor ſich zu ſehen. Als er ſie ſtarr anſah, fragte die Dame ganz entrüſtet:„Na, was ſieht er mich an, bin ich Ihm ſo et⸗ was Neues?—„Neu nicht,“ entgeg⸗ nete er,„aber gut reparirt.“ C.
Der Modenkurier.
Paris, 5. Auguſt. 1835.)
„Nichts Neues unterm Sonnenlicht;
Doch neu heilt, was die Mode ſpricht 1%
1.„Alles hat ſeine Zeit,“ ſagt ein altes, beſonders hinſichtlich der Moden ſehr anwendbares Sprichwort, das für Manche ein Born voll der ſüßeſten Hoffnungen und für Andere blos eine harte und drükende Wahrheit ſein mag. Ohne uns lange bei dieſer Analyſe, die uns nur in philoſophiſche Grübelel. en leiten könnte, aufzuhalten, begeben wit uns


