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in Franconis Cickus, wo jezt die Rendezvous A la Mode find, und in die eliſäiſchen Felder, wo Muſards Konzerte ſo großen Anklang finden. Die Damen ſtellen daſelbſt die in dieſer Jahreszeit nur mögliche Eleganz zur Schau aus, und der gute Geſchmak macht ſich in Franconis Amphitheater bemerkbar, woſelbſt ſich alle Geſellſchaften von Paris ver⸗ ſammeln und Alles wahrzunehmen iſt, was von der Elite der großen Welt en unſerer Hauptſtadt noch zurükgeblieben). Hier, ſo wie überall, wo die Mode ihr Haupt erhebt, bilden die Reisſtrohhüte die Mehrheit. Der ziemlich große, aber offene und etwas ſeit⸗ wärts geneigte Schirm, ſizt trefflich, und iſt ſehr geeignet, Verzierungen darunter an zubringen. So wird manchmal unter einem ſolchen Hut die ganze Haarkoeffüre ſichtbar. Es iſt eine Guirlande ganz kleiner Blumen, die das Geſicht umgibt, uud eine Schleife zur Seite, deren Enden ziemlich tief an den Wan⸗ gen hinabgehen; oder es befindet ſich in der Mitte der Stirn eine Agraffe von Blumen oder Bändern. Unter den ſchönen Eintheilun⸗ gen der Blumen unter den Schirmen be⸗ merkt man eine Art Kränze, die in der Mitte ſchmal und an den Seiten breit ſind, dann Diademe von ſchwarzen Zwergblumen.
2. Dieſe Mode, viele Blumen unter den Schirm des Hutes zu geben, erfordert, daß er ſehr hintennach auf den Kopf geſezt wird. Hingegen iſt die Form nicht ſehr hoch und man überladet ſie nicht ſtark mit Zu⸗ thaten.
3. Die weißen Federn werden ſtets zu den eleganteſten Verzierungen auf Reisſtroh— hüten gezählt. Der Paradiesvogel kommt auch noch zum Vorſchein, aber nur in einer rei chen Squipage, in einem Salon, oder in der erſten Reihe eines merkwürdigen Kon— zertes. Zu Fuße, auf einer offentlichen Pro⸗ menade, in einer ländlichen Reunion braucht ihn keine elegante Dame anzunehmen: das hieße die Mode übertreiben.
4. Mehrere junge Damen, die in den Tuilerien ausruhten, um friſche Luft einzu⸗ athmen, trugen Halbkapoten von Reisſtroh,
) Scheint auch in Peſth in dem Cirkus der Mad. de Bach, die mit dem 16. d. M. ihre inter. Vorſtellungen begonnen, der Fall zu ſein. R.
deren Form ſich ein wenig rütkwärts neigte, deren Schirm auf beiden Seiten ſehr tief an den Wangen hinabging und die Stirn ganz frei ließ. Auf dieſen Hüten ſind nur ein Band, das um die Form geht und ein Blumenzwelg, der ſeitwärts angebracht iſt und ganz auf dem Schirm liegt, erforderlich. unter dem Schirm kann ein kleines ſeitwärts angebrach⸗ tes Bouquet mit dieſer Einfachheit überein ſtimmen. Man verwendet blos weiße Bänder zu dieſen Hüten.
5. Die große Hize verſcheuchte alle Fri⸗ ſuren. Alte, Junge, Schone, Häßliche, faſt alle Damen koeffüren ſich mit Bändern. Man tragt auf der Stirn ein kleines ſchwarzes Sammetband, das rükwärts des Kopfes ſehr einfach gebunden wird. Man ſieht auch ganz tleine unanſehnliche ſchwarze Schnürchen, welche in der Mitte der Stirne eine Schließe haben, bildend entweder eine Roſe, oder einen kleinen Vogel, deſſen ausgeſpannte Flügel mit Steinen von verſchiedenen Farben be⸗ dekt ſind.
6. Der Gebrauch der Mantelets von ſchwarzem Poult de Soie, mit Spizen gar⸗ nirt, die ſich den ganzen Sommer erhielten, macht jezt den Mantelels von glattem oder geſtittem Mouſſelin Plaz. Sie werden vorne mit Taffetbändern, die zu dem Futter paſſen, zugebunden; doch iſt der größte Theil einfach.
Modenbil d. Nr. 35.
Pariſer Anzüge vom 9. Aug. Brautanzüge. Die erſte Dame: Koeffüre von Hrn. Hamelin in Paris. Schärpe und Kleid von Blonden.— Die zweite Dame: Kleid von geſtiktem Poult de Soie mit einer Mantille.(Bei Gelegenheit dieſer ſchönen Toiletten kündigen wir an, daß wir von Hrn. Mindſzenty, bürg. Damen- tleidermacher in Peſth(große Brükengaſſe, Nro. 634) einige treffliche Brautausſtattun⸗ gen geſehen haben, die eben ſo wohl von Einſicht als Geſchmak zeugten.) 5
Mohr, der gelehrte Hund,
berühmt durch ſeine außerordentliche kunſtreiche Abrichtung, iſt in Peſth angekommen und wird ſich in der Bude vor dem Redoutengebäude produziren.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


