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fange gebührt. Einen neuen Genuß verſpricht uns die morgende Vorſtellung der Schweizer⸗Familie; ſollte uns je⸗
doch Mad. Schröder⸗Devrient mit einer
dritten Darſtellung erfreuen, ſo würde, nach den Eindrüken des geſtrigen Abends zu urtheilen, eine Wiederholung des Fidelio gewiß den Wünſchen der Mehr⸗ heit des Publikums entſprechen.(Nun wiſſen wir, warum Mad. S. D. ſo lange in Peſth auf ſich f e
Paris. In der großen Oper haben die Proben von Meyerbeer's neuer Oper:„die Bartholomäusnacht““, unter Leitung des Komponiſten, be⸗ reits begonnen. N.
Miszellen.
Paris. Die 24jährige Frau des Hrn. F... in Paris hatte ſich ſchon vor einigen Monaten aus dem dritten Stokwerk auf das Pflaſter geſtürzt, war aber nicht ſchwer verlezt und her⸗ geſtellt worden. Vor wenigen Tagen nun ſprang ſie von der Brüke Notre⸗ Dame in die Seine; das Waſſer trieb ſie unter die Räder des Pumpenwerks, und ſie wurde, zwar noch lebend, aber furchtbar verſtümmelt, hervorgezogen. Dieſe Wuth des Selbſtmords ſcheint ihrer Familie angeboren zu ſein; denn ſie hat erklärt, daß ihre Eltern und andere nächſten Verwandten, neun an der Zahl, freiwillig an Feuer, Waſſer oder Gift geſtorben ſeien.— Eben ſo erſchoß ſich vor Kurzem ein ehemaliger Chokoladefabrikant in Paris ohne be— kannte Urſache, mit Hinterlaſſung ei⸗ nes Kindes und einer! ſchwangern Frau. Die Piſtole, womit er ſich umbrachte, hatte er ſtets bei ſich geführt. Sein Onkel hatte ſich ebenfalls erſchoſſen, ſein Vater ſich durch Kohlendampf er⸗ ſtikt, und einer ſeiner Onkel ſich er⸗ hängt..
Freiburg. Wir erhalten von verſchiedenen Gegenden des Landes Mit⸗ theilungen über die ungewöhnliche Fruchtbarkeit der Reben in dieſem Jahre. So wird namentlich vom Vo- denſee berichtet, das Hr. Bürgermeiſter Spachholz in Radolfzell in ſeinem Gar⸗ ten eine dreijährige Rebe habe mit 225 Trauben, wovon manche einen Schuh lang ſind, ſehr viele aber eine Länge von 5— 6 Zoll haben. Eine an⸗ dere ſechsjährige Rebe hat 700 Trau⸗ ben. Dieſer außerordentliche Reichthum des heurigen, ſo wie der große Vorrath des vorigen Jahres ſteigert denn auch den Preis der Fäſſer auf eine unge⸗ wöhnliche Höhe. T.
Straubing. Unlängſt wurde ein Jähriger Bauernbube attrapirt als er ſo eben außerhalb Straubing den vollkommen mit Früchten gefüllten Stadel eines Wirths dortſelbſt ange⸗ zündet hatte, welcher auch ganz, ohne
daß eine Frucht aus demſelben gerettet
werden konnte, abgebrannt iſt. Auf die Frage an den jungen Vöſewicht warum er dieſes Verbrechen verübt ha⸗ be, antwortete er ganz lakoniſch:„die Leute ſagen ja immer, daß dieſer Sta⸗ del ſchon lange nicht auf dem rechten Plaz ſtehe, ſomit habe ich dem Uebel abhelfen wollen;“ und auf die weltere Frage, die man an denſelben geſtellt: ob er ſich nicht vor der ibn nun tref⸗ fenden Strafe gefürchtet habe, entgeg⸗ nete er eben ſo gleichgültig:„Na da komm'i halt in's Zuchthaus, und da müſſen's mir doch zu eſſen geben.“ Dieſe einfachen Aeußerungen dürften wohl zu den ernſteſten und wichtigſten Betrachtungen über den gegenwärtigen herrſchenden böſen Geiſt führen, mit welchem ſelbſt ſchon die Schuljugend von dem liberalen Reformatismus an⸗ geſtekt zu ſein ſcheint.* 8 London. Der König von Eng land hat dem vor einiger Zeit in öf—


