Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
533
 
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ſagt der Kaiſer über das Attentat nur ein Vaar Worte:Mit jedem Tage ward ich ſicherer, als mich plözlich das Ereignis vom 5. Nivoſe belehrte, daß ich auf einem Vulkan ſei. Die Verſchwörung kam unerwartet: es iſt die ein zige, die nicht von der Polizei vereitelt wurde; die Verſchwornen hatten ſſch Niemanden anvertraut; darum gelang es ihnen. Ich entrann durch ein Wun⸗ der. Die Theilnahme, welche man mir bezeigte, entſchädigte mich vollkommen. Der Augenblik zum Konſpiriren war nicht gut gewählt; es war noch nichts ſertig in Frankreich für die Bourbons. Man ſuchte nach den Schuldigen. Ich batte die Brutus von den Straßeneken in Verdacht, man bewies mir aber, daß die Leute in der Straße St. Nicaiſe die Exploſion den Ropaliſten zu danken hatten.

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Ein gewiſſer Handwerksmann in T. hatte eine ſehr böſe Frau, welche die Gewohnheit hatte, von Früh Morgens bis in die ſpäte Nacht hinein in ihrer Wohnung nicht nur allein, ſondern auch mit ihren Nachbarn und Nach barinen zu zanken, und Hader und Zwietracht anzurichten. Der Mann, der als ein fleißiger, ruhiger und rechtſchaffener Mann von ſeinen Nachbarn ſowohl als von ſeinen Mitbürgern allgemein geachtet und geliebt wurde, wußte ſeines Jammers kein Ende, um ſeiner Frau dieſes Uebel abzugewöhnen. Endlich rietb ihm einer ſeiner Freunde, er möchte ſich eine Pfeife kaufen, und wenn ſeine Frau wieder anſinge, zu zanken oder ſich mit ihren Rachbarinen auf der Straße zu ſtreiten, er ſo lange pfeifen möge, bis ſeine Frau ſtill und zum Schweigen gebracht wird. Dieſen Rath befolgte unſer Freund, und ſo wie ſie nun wieder onſing, ihre einmal zur andern Natur gewordene Leidenſchaft auszuüben, fing er an zu pfeifen, daß ihr die Ohren gellten, und dieſes ſezte er ſo lange fort, bis ſie endlich zum Schweigen gebracht wurde. Hiedurch beſchämt, gewöhnte ſich die Frau dieſe Untugend nach und nach ab, denn ſo oft ſie anfangen wollte zu zanken, fing er an zu pfeifen, und ſie wurde dann immer zum Schweigen gebracht und zulezt wurde ſie die beſte Frau und vertrug ſich mit Jedermann friedlich. Es wäre daher ſo manchem Ehemann anzurathen, ſich eine Pfeife anzuſchaffen und ſich derſelben in ähnlichen Fällen zu bedienen.

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Teitung

wohl durch rauſchenden Empfang bei ihrem Eintritt, als durch Hervorru fen

Theater.

Nürnberg(10. Auguſt.) Mad. Schröder-⸗Devrient trat geſtern als Fidelio zum Erſtenmal auf. Der große Ruf dieſer Künſtlerin, und die ergangene Einladung zur Subſkription batten ein äußerſt zahlreiches Audito⸗ rium verſammelt, welches derſelben ſo⸗

nach dem erſten Akte und am Schluſſe ſeine Anerkennung bewies. Wir behal ten uns eine ausführlichere Beurthei⸗ lung ihrer Leiſtung vor, können aber ſchon jezt nicht umhin, dieſel be als eine durchaus gelungene zu bezeichnen, welcher das ſo oft verſchwendete Praͤ dikat der Meiſterſchaft im vollen Um⸗