Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
532
 
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Endlich kommt man dor die Varriete, wo Eſſen, Wein und Tanz billi⸗ ger ſind, als in der Stadt, weil das Bereich des Douaniers aufhört. Ein Cabaret, ein Marchand de vins reibt ſich an den andern; alle haben vollauf zu thun, und die berühmteſten darunter, wie le petit Caporal vor der Bar- riere du Maine, le grand Vainqueur vor der Varrière von Belleville, les Maronniers vor der Barriere von Berry u. f. f. ſind jeden Sonntag zum Er⸗ drüken voll. Das Aeußere dieſer Guinguettes iſt mit großen Sechſen und Ach⸗ een beſchrieben, was anzeigen ſoll, daß man daſelbſt das Litre Wein zu ſechs und acht Sous verkaufe; das Innere, immer ſchmuzig und wenig einladend, itt überfällt mit Handwerkern, die in ihren Sonntagsröken und Hüten her⸗ umſtehen und ſizen und bedeutenden Spektakel machen. Unter ihnen bemerkt man manche hübſche Weiber und Griſetten, deren ſaubere Tracht und natürlich gute Haltung auffallend gegen den ungeordneten Anzug und dle nicht ſehr ga⸗ lanten Manieren ihrer Liebhaber abſtechen. Durch alle Thü ren geht es aus und ein; es ſummt, lärmt, ſchreit und ruft von allen Seiten in den verſchie denſten Tönen und Dialekten. Re ges Leben, ſo weit das Auge reicht; es wird geſungen, gezankt, gezecht. Endlich erſchallt die türkiſche Trommel und der pfeifende Ton der Klarinette vom Tanzplaze her; da werden die ſtehenden und ſizenden Maſſen flüſſig, die Guinguettes leeren einen großen Theil ihrer Gäſte aus, und alle Tanzluſtigen eilen auf den Tanzplaz, der während der freundlichen Jahreszeit im Freien angebracht iſt. Die Tanzſäle für den Win⸗ ter ſind groß und geräumig; ein Kronleuchter bängt in der Mitte, und der Plaſond iſt mit ſoviel Zahlen beſchrieben, als Paare zugleich tanzen können. Der Preis für jeden Tanz wird nämlich im Voraus entrichtet; der Tänzer kauft am Komptoir für jeden Contretanz oder Walzer ein Billet mit einer Nummer, welche ihm ſeinen Plaz im Saale anzeigt, eine ſehr einfache und löbliche Einrichtung, wodurch es möglich wird, daß troz des außerordentlichen Zudrangs niemals Verwirrung und Unordnung entſteht.

(Beſchluß folgt.)

Die Höllenmaſchine von 1800.

Der Mordanſchlag gegen Napoleon fällt in die Zeit, wo Fouche Poll zeiminiſter war. Am 24. Dez. 1800, Abends 8 Uhr, wollte Bonaparte, der damals noch erſter Konſul war, in die Oper fahren. Er kam durch die Straße St. Nicaiſe. Die Verſchwornen hatten einen Vulverwagen mit der Höllenma⸗ ſchine quer über den Weg geſtellt. Bonaparte verdankte ſein Leben dem Kutſcher, der ihn fuhr, geſchikt vorbeilenkte, und kaum vorübergeflogen war, als die Exploſton erfolgte. Die Höllenmaſchine war um eine Viertelminute zu ſpät los gegangen, ſonſt wäre Napoleon wohl nicht auf St. Helena geſtorben. Der Wagen des erſten Konſuls ward noch ſo ſtark erſchüttert, daß die Scheiben ſprangen. Wer waren die Urheber? Fouche meinte, die Demokraten; er ließ mebrere einſteken; 130 wurden durch einen noch in der Nacht erlangten Se natskonſult exilirt. Später will man die wirklichen Meuterer unter den Sbouans entdekt baben; einige wurden hingerichtet; der Zuſammenhang des Komplots iſt nie recht bekannt geworden. Im Manuſkript aus St. Helena