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Macht der Liebe gefeſſelt ſet— noch fügte er hinzu an Diamanten die gleiche Baht; denn drei iſt eine heitige Zahl, und heitig iſt auch die Liebe, ſie bildet mit Kraft und Tugend den hehren Oreiklang des Lebens. Würdig wären dieſe Steine in jeder Königskrone zu prangen, ihr Glanz lichtet Mitternacht zur Tageshelle, daß man darob die Tageszeiten verwechſelt glaubt und die Sonne am Himmel ſuchet; indeß etwa nur die bleiche Mondes ſichel im Wolkenmeere ſchwimmt!— Du ſſehſt nun„Freund, daß für dich hier keine Frucht relfet, wo der Markſtein die Grenze fremden Eigenthums dir deutet.—.
(Beſchluß folgt.)
Franzöſiſche Gerichtsſzene.
Der Schauplaz iſt eine der Kammern des Zivilgerichts für das Oeparte— ment der Seine. Hr. N., ein ehrenwerther Jugendlebrer, verlangt 20,000 Fres. als Entſchädigung von Mad. B., ſeiner Miethsherrin. Nachdem das Gericht dle beiden Parteien perſönlich vorgeladen hatte, ſezte der Kläger ſein Verlan⸗ gen mit ſtarker und feierlicher Stimme auseinander, nicht ohne von Zeit zu Zeit ſeiner Gegnerin zermalmende Blike zuzuſchleudern.„Als Chef einer Er— ziebhungsanſtalt— begann er— verbinde ich mit dieſem edlen Beruf die be⸗ ſcheidene Eigenſchaft eines Miethemanns der Mad. B. Als Eigenthümerin hätte ſie mich, nach dem Art. 1719 des Geſezes, im friedlichen Beſize des Lokales laſſen ſollen. Statt deſſen läßt ſte eines Tages eine Legion Arbeiter jeder Art kommen, Maurer, Zimmerleute, Schloſſer, die durch einen hölli⸗ ſchen Lärm(horresco referens) meine Zöglinge betäuben und ihre Studien unterbrechen. Mein Haus, das bei der großen Preisvertheilung glänzen ſollte, wird jezt nicht einmal genannt werden. Kurz, der Schaden iſt offenbar, ich verlange von Mod. B. 20,000 Fres: als eine ſehr geringe Entſchädigung.““ Der Anwalt der Mad. B.:„Wir geben zu, daß der Fall bedenklich iſt. Be⸗ vor wir aber antworten, wänſchen wir die Zahl der Zöglinge des Hrn. N. kennen zu lernen.„Kläger: Dieſe Frage iſt überflüfſig; ich werde nichts dar— auf erwidern. Der Advokat: Allerdings gehört ſie zur Sache, und ich lege beſondern Werth darauf. Wie viel Zöglinge haben Sie? Hr. N.: Nun wohl! ich habe deren drei.(Allgemeines Gelächter.) Hr. N.(mit einem Blik der Verachtung auf die Lacher herabſchauend): Ja, ich habe deren drei; aber dieſe 3 ſind 6, 8, 10, 12 andere werth; es ſind keine gewöhnlichen Zöglinge, es ſind Braſilianer.(Neues Gelächter.) Mad. B. Sagen Sie lieber, Oſagen! Hr. N. wollte in einem Anfall von Entrüſtung eben den Mund zu einer Ant⸗ wort öffhen, als das Gericht dem Streit ein Ende machte, indem es den Klä⸗
ger mit ſeinem Verlangen abwies.
Fruchtbarkelt des Jahrs.
Nachrichten aus dem Weſtphäliſchen zufolge, erwartet man dott überall eine reichliche Getreide-Ernte, und befürchtet nur, daß die obnehin ſchon nled⸗ rigen Preiſe ber Früchte noch mehr berabgedrükt werben.— Briefe aus Verlin


