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welden: Die dermalige beiße Witterung ist für die Ernte ſebr güaſtig. Ueber⸗ baupt erinnert man ſich ſeit langer Zeit nicht eines für die Feld⸗ und Gar⸗ tenfrüchte ſo geſegneten Jahrs, in welchem Regen und Wärme ſo häufig ab⸗ wechſeln.— In der Umgegend von Ulm waren ſeit 14 Tagen zablreiche Ge⸗ witter zum Ausbruch gekommen, die jedesmal mit einem woblthätigen Regen vocüber gingen. Die dortigen Feldfluren prangen in üppiger Fülle, und die reichlichſte Ernte in allen Getreidſorten hat bereits begonnen.(In Ungarn fällt bekanntlich die Ernte auch größtentheils geſegnet aus))
Schnelles Verblüben der amerikaniſchen Frauen.
Die Frauen in Amerika reifen, wie in den heißen Ländern, ſehr fru und verblühen auch ſehr bald wieder. Im Allgemeinen ſind ſie bübſch(einige Reiſende erklären ſie für die ſchönſten Frauen überhaupt), und haben ein be— ſonders feiſches, blendendes Ausſehen. Aber dies verſchwindet bald; wenn bei uns die Frauen vom zwanzigſten bis zum fünfunddreißigſten Jahre in der vollſten Blüte der Geſundheit und Schönheit ſteben, ſo erreichen ſie in Ame rika kaum die erſte Periode, ohne verblüht und alt auszuſehen. Sie heirathen ſebr zeitig, was ein Grund mit zu dem frühzeitigen Altern ſein mag. Uebri⸗ gens ſind ſie wie die Franzöſinen zu gepuzt gekleidet, als daß man genau beurtheilen könnte, wie ſie wirklich ſind; im Allgemeinen ſcheinen ſie ſchmäch⸗ tig und nicht lang zu ſein und haben einen ſchönen Fuß; aber wegen der Pe⸗ lerinen, Bänder, Spizen, Blonden de. läßt ſich ihr eigentlicher Wuchs nicht beurtheilen.
Farben des Eiſes.
Jeder Reiſende, der Eis in großen Maſſen geſehen hat, ſpricht mit Ent⸗ züken von den Farben deſſelben. Nach Einigen bat es einen roſen farbigen Schein, nach Andern blau oder ſeegrün. Die Farbe der Eisblöke auf der Ne⸗ wa iſt immer dieſelbe, ſobald es rein iſt, nämlich blaßblau, in das Aquama⸗ ringrün ſchillernd; liegt Schnee auf der einen Seite, ſo iſt das Blau weniger ſichtbar und die Farbe wird grüner. Betrachtet man die Maſſen genauer, ſo bemerkt man auf der Oberfläche zahlloſe Sprünge, welche, wie der Vergkriſtall in ähnlichen Umſtänden, das Licht in allen Farben des Prisma ſpielen; die vorbertſchende aber iſt ein reiches außerordentlich ſchönes Sapphirblau, das wahrſcheinlich dem Ganzen in der Ferne den blaßblauen Schein gibt.
Hochzeitszeremonien in Hindoſtan.
Ein Bramine weiht zuerſt das beilige Feuer. Dann nimmt der Bräu⸗ tigam und nach ihm die Braut drei Händevoll Reiß, welchen ſie einander auf den Kopf fallen laſſen. Der Vater der Braat kleidet ſeinen Schwiegerſohn und wäſcht ihm die Füße, wozu die Mutter der Braut das Waſſer bringt. Dann nimmt der Vater die Hand ſeiner Tochter, läßt einen Tropfen Waſſer und zwei oder drei Geldſtüke hineinfallen und ſagt:„Du gehörſt nicht mehr mir anz ich gebe dich einem Andern.“ Damit iſt indeß die Ehe noch nicht ge⸗


