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zetaſtet und keine freche Hand ſoll es wagen die Deinen zu beruͤhren. Slehe, erſchöpft ſind wir durch die Müben des blutigen Tages, die Zunge iſt troken und klebt am Gaumen, laß uns friſches Waſſer reichen, es wiegt in dem Au⸗ genblike Gold und Kronen auf.—
Auf der Schwelle, im Dunkel des Säulenganges, ſtand Nozara, die ſchöne Tochter des Statthalters, iur Obr vernahm die Worte des Baſcha, und ibrer Mutter nabend ſpricht ſie eilig: Laß uns unſern Bezwingern gefällig ſein; beſcheiden iſt ihre Bitte, wo ſie fordern könnten, da ſpricht ihr Mund in Wünſchen, und ein Trunk Waſſer, den wir den ärmſten unter den Sklaven nicht verſagen könnten, iſt das Ziel ihres Begehrens. Und lächelnd ſpricht die Mutter: Nimm den Krug, Nozara, eile zum Quell des reinſten Bergwaſſers. und fülle ihn mit friſcher Labung bis an den Nand; ſpühle den Becher, und reiche ſittſam dem Feldherrn den verlangten Trunk; nippe jedoch vorerſt, da⸗ mit ſie nicht meinen, wir gebrauchten widerrechtliche Liſt gegen unſre Beſieger. Die Tochter that nach der Mutter Vefebl, mit gefülltem Kruge trat ſie in die Verſammlung, und reichte, eine jugendliche Hebe, dem Himmel entſchwebt, den Durſtigen den ſchimmernden Becher. Muſſi aber, als ihm das holde Mäd⸗ chen kredenzte, verſchlang die holde Geſtalt mit blizenden Augen, und glübend wie die Roſe ward die Morlachin und ſenkte den Blik zu Boden. Muſſa ergriff raſch die Hand der Mundſchenkin und ſagte: Nicht Waſſer reiche mir, Waſſer ist nicht vermögend den Brand zu löſchen, den deine Augen in mir ent zün⸗ det, noch zu lindern den heißen Durſt nach der Liebe deines Herzens, und zum Statthalter, iyrem Vater, gewendet, ſpricht er: Vater dieſer Houris, dem Paradieſe entnommen, beglüke mich mit der Hand deiner Tochter. Siehe, die Gunſt Muſtaj's„meines tapfern Herrn und Freundes, bat mich überhäuft mit Gnaden und Erdengütern, und Alles, was ich durch die Huld Allahs und ſeines Propheten erhalten, will ich ausgießen über ſie, ein Füllhorn von reichem Segen, wenn ſie die Schwelle meines Hauſes überſchreitet, und ich beglükt den keuſchen Kuß der Liebe auf ihre Stirne von Elfenbein drüke.—
Du ſcherzeſt, des Baſchas erhabener Krieger, erwiderte Nikolo ernſt, dein Muth und deine Schönheit, womit der Himmel dich reich geſegnet, ma⸗ chen dich würdig eine Gattin von auserleſenern Reizen heimzuführen, die mit den Houris wetteifert, womit Mahomed ſeine ſieben Himmel ſo großmüthig bevölkerte; meine Tochter beſizet zu wenig Vorzüge, eine Stelle in deinem Hauſe einzunebmen, auch iſt ſie bereits eines andern Mannes Braut. Schon ſeit längerer Zeit iſt ſie an Zecku la vermählt, dem Neffen des ſtolzen und mächtigen Janko. Der Tag der Verlobung war ein Freudentag für das Volk des Gebirges, denn gaſtlich war jedem die Thüre geöffnet und reichlich begabt, wer glükwäünſchend mein Haus betrat. Zeckulo beſchenkte fürſtlich ſeine Braut. Drei Kleider gab er ihr von beſonderer Art. Von rother Seide, wie das Roth des jungen Tages und die Glut der verſchämten Roſe, war das eine, flammend wie Feuerbrand, wenn die Sonne hoch vom Himmelsbogen ihre verſengenden Pfeile ſchießt, das andere, und purpurn wie des Abends Schimmer, färbt er die Gipfel der Berge beim Scheiden der Tageskönigin, das dritte. Ferner gab er vom feinſten, weichen Golde, der zierlichen Spangen drei, die Arme zu amſchlleßen, und des Nakens weißen Marmor; zum Zeichen, daß ſie von der


