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Propheten, nicht eher wieder ſeinen Harem zu betreten, als bis dieſe Maͤuſe don den Klauen des Löwen zermalmt wären, und die Fahne Mahomeds auf den Zinnen von Gravo, dem befeſtigten Hauptplaze des Berglandes, wehte. Dem Baſcha, der der Nachbar des kühnen Völkleins war, aber dieſe rauben Gebirgsſöhne nicht zu bezwingen vermochte, ſandte er die ſeidene Schnur. Sie traf den in ſeinen Lüſten verſunkenen Weichling in der Mitte ſeiner Weiber, und aus den weichen Armen der Liebe ſank er in die Knochenhände des Todes. Ibn erſezte Muſtaß, der tapferſte Krieger im Volke des Propheten, der ſich aut dem Bewohner einer elenden Fiſcherhütte am Bosphorus aufſchwang zum mächtigen Baſcha von drei Roßſchweifen, deſſen Name gefürchtet ward von allen Feinden der Pforte, und der mehr Siege zählte als Haare ſein grau gewordnes Haupt bedekten. Er überzog mit unzählbarer Heeresmacht die Lande der Mor⸗ lachen, und wie die Heuſchreken in Schwärmen, die die Sonne verdunkeln, ſich herabſenken und Alles aufzehren, was rings die Erde Grünes und Nähren— des trägt, kamen die Schaaren des Halbmondes herangebrauſt. Weithin leuchteten die Feuerſäulen, Blutſtröme bezeichneten ihren Weg, und als ſie Gravo ſich nahten, ſchien ihre Menge die Stadt zu erdrüken; allein es fielen noch viele der Bekenner Mahomeds,“ manche von der Blüte dee Osmanen, bis die Mauern, die von Stahl; die Thürme, die von Diamant zu ſein ſchienen, in Staub ſanken, und Muſtaj einzog in die rauchende Stadt, über blutige Trümmer und Hekatomben von Erſchlagenen ſeines Heeres. Dennoch ehrte er die Tapferkeit der Belagerten, er bezwang ſich und ſtieß das Schwert der Nache in die Scheide, und kettete die zügelloſe Gier ſeiner Schaaren durch gewalti⸗ ges Machtgebot. Er ſelbſt ſchlug im Hauſe des Befehlshabers der eroberten Stadt ſeine Wohnung auf, um dieſen Helden und deſſen Familie von der Ge— waltthätigkeit der Janktſcharen zu ſchüzen.
Hier ſaß er unter den Säulen des Vorhofes, über ihm wehte die Fahne des Halbmondes, um ihn verſammelt waren die Vornehmſten des Heeres, und ein ſchöner, junger Mann, der alle Augen auf ſich zog, da er mit der herku⸗ liſchen Kraft die Anmuth eines Adonis verband, und manchem jungfräulichen Buſen unwillkürlich einen leiſen Seufzer entloken mochte. Er bieß Muſſa und war des Baſchas Liebling. Während der Freuden des Mahles wie im Ge— wühl des Kampfes war er ſtets an ſeiner Seite.— 5
Vor die Verſammlung trat der Held des Tages, Nikolo, der Stadt⸗ balter, und legte ſeine Waffen nieder; er bot dem Baſcha ſein Haus und ſeine Schäze an, da dem Ueberwundnen nichts gehöre, auch nicht einmal ſein Leben, indem ſolches in die Hand des Siegers gegeben ſei. Lange ſtand Muſtaj und be⸗ trachtete mit Verwunderung die athletiſchen Formen des Mannes, ſein er: nenverbranntes Antliz, und das ſtolze Auge, das der Splegel einer erhabenen Seele war.— Du haſt mir Tauſende meiner Krieger geraubt, und viele der Vornehmſten des Reiches liegen in ihrem Blute gebadet und begraben unter den Trümmern Gravos; mit Recht ſollte dein graues Haupt zum Sühnopfer fallen für ſo viele theure Leben, dein Weib und deine Kinder Sklaven ſein, und in Flammen aufgehen dein Haus, als ein Rachefeuer blutiger Vergeltung — aber deine Seelenſtärke und der hohe Muth deiner kleinen, tapfern Schaar zwingt mir Bewunderung ab, und Tapferkeit ehre ich, wo ich ſie finde, ſelbſt am bezwungnen Feinde. Unverſehrt bleibe dein Haus und delne Schäze unan⸗


