Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
506
 
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1 ihrer Umgebung betrachtet. Der Inn, ein ziemlich breiter und ziemlich ſchiff⸗ barer Fluß, theilt dieſelbe in zwei Theile, iſt aber bei der Theilung etwas ſtiefväterlich zu Werke gegangen; den größeren Theil der Stadt behielt er auf ſeiner rechten Seite, und nur der ſchlechteſte und kleinſte Theil ruht an ſeiner linken. Zwei Brüken mit ſteinernen Pfeilern verbinden dieſelben, allein das fatale Aelterwerden, die Fee Griesgram, Zeit, hat auch dieſem Bau mit ihrem Giftzahn benagt, und ſo müſſen hölzerne Strebepfeiler den ſteinernen beiſtehen, um einen unrühmlichen Einſturz vorzubeugen. a

Ich habe mir ſagen laſſen, und habe es auch ſchon in einigen ehrlichen, in Schweinleder gebundenen Folianten alſo geleſen: ſo etwas ereignet ſich öfter, und in der lebenden Welt gäbe es und habe es ſehr viele ſolche Exem pel gegeben. Erſt jüngſt ſoll im Kaiſerthume Siam ein vornehmer Mandarin lebendig verbrannt worden ſein, weil derſelbe, den Seine ſiameſiſche Majeſtät für eine ſteinerne Stüze Ihres großmächtigſten Reiches hielten, durch einen hölzernen Pfeiler in der Perſon eines geldarmen, aber geiſtreichen Jünglings ſich in Verwaltung ſeines wichtigen Amtes habe ſtüzen laſſen, indem ſonſt die mandariniſche Hoheit befürchten mußte, einen abſcheulichen Schiffbruch zu lei⸗ den. Auch ſollen die gemächlich gutmüthigen Mandarinen in andern, beſonders waldarmen Ländern, die Kunde dieſer Begebenheit zu unterdrüken und ihren Fürſten zu verhehlen geſucht haben, aus Furcht bei etwaiger Nachahmung des kaiſerlich ſiameſiſchen Verfahrens nicht das Land durch die Errichtung ſo vieler Scheiterhaufen ganz ihres Brennſtoffes zu berauben.

Innsbruck hat Vorſtädte, die jedoch überall zum Ganzen verſchmol zen ſind; der Wanderer ſtellt ſich daher auch unter der Vorſtadt noch die Stadt vor, zumal in jener, welche Neuſtadt, wo die Hauptwache und der ſchönſte Theil von Innsbruck ſich hingebaut hat. Drei ſchöne Statuen zieren dieſelbe und ihre anſehnliche Breite gibt ihr viel Anſehen. In der In nern Stadt macht die Gegend um oben genanntes Rathhaus am meiſten auf Achtung An⸗ ſpruch. Das wenige Volkthum von Innsbruck, Handel und Leben konzentrirt ſich hier, und einige Hallengänge gewähren dem Wandelndem, Schau⸗ und Kaufluſtigen Schuz gegen der Elemente Toben! Hier iſt das Herz, der Kopf in der ſchönen Vorſtadt, die Bruſt bei der Burg, die Füße ſind jenſeits des Inn da haſt du, lieber Leſer, das ganze Bild der TyrolerHauptſtadt.

Hohe Berge, in deren Schluchten Schnee glänzt, erheben rieſig ihr Haupt zu den Wolken, und oft über dieſelben, und blokiren am linken Inn⸗ Ufer in ihrer grandioſen Majeſtät die Stadt ſo nahe, als ob hier vor einem friedlichen Parterre eine ſchneegeſtikte Theater- herabgelaſſen wäre, hinter der das tobende Theater mit allen ſeinen Verwa gen, Lach Rüh⸗ rungs⸗ und Blutſzenen liegt, wohin aber nach einem en Willen das ein⸗ fache, unſchuldbewahrende Bergvolk nie den Blik werfen, geſchweige den Fuß ſezen ſollte. Aber ach, der Menſch treibt ſein Spiel mit den Vollwerken der Natur; den Welt⸗Ozean durchfliegt er mit Dampf und Segel, durch Felſen bahnt er ſich den Pfad, und unter dem Beet der Ströme wahlt er ſich eine trokne Fähre. So ward denn auch dieſe Scheidewand zerriſſen, und das edle Berg⸗ volk, fröhlich in ſeinen Alpen, ſelig bei ſeinem Kuhreigen, treu ſeinem Fürſten, ſah wider Willen die gräßlichſten Szenen verheerender Kriegswuth in jahre⸗