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daß die Einwohner ihr Brod hinein⸗ tauchten, und auf dieſe Weiſe eine wohlfeile Waſſerſuppe hatten; in der Provence ſind die Kartoffeln geröſtet aus dem Felde gegraben worden, und bei Avignon die Lerchen gebraten aus der Luft gefallen; zum Uebermaß des Schrekens ſind einige Nationalgardi— ſten im ſübdlichſten Theile des Kö⸗ nigreichs auf ihren Poſten eingeäſchert worden; die Akademie der Wiſſenſchaf⸗ ten iſt ganz außer ſich über dieſe un⸗ erhörten Fälle, und wenn im nächſten Winter die Berichte vorgeleſen werden, ſo wird kein Menſch daran glauben wollen. Aber die Maire's dieſer Ge⸗ meinden ſenden die glaubwürdigſten Ve— richte ein, und wenn die Behörden ſelbſt eingeſtehen, daß ihre Adminiſtrir— ten heiß abgeſotten werden, ſo muß man es wohl glauben. Wenn das ſo fort gehen ſollte bis zum Winter, ſo werden die Faſchingsbeluſtigungen ver— troknen, und der Faſchingsdienſtag wür- de zerſchmelzen. In Paris haben alle geſellſchaͤftlichen Verbindungen aufge— hört, denn die Sonne, welche Alles verbrennt, hat auch die Höflichkeit nicht verſchont. Es bleibt uns nun nichts übrig, als uns gegen Feuers— gefahr zu verſichern, und vernünftige, geſezte Leute gehen nicht mehr aus, ohne ſich von Pompiers begleiten zu laſſfen. Mein Himmel! in welchen Zei— ten leben wir; bald wird das ſüdliche Europa nur noch von Salamandern bewohnt werden können! Aber was iſt Schuld daran? die neue romantiſche Schule! Ohne die Stüke von Hugo und Dumas würde der Himmel nie ſei⸗ nen Zorn über uns verhängt haben. Das himmliſche Feuer wird ſeine hohe moraliſche Miſſion vollenden, und es wird uns und unſere Leidenſchaften ver⸗ zehren, und im kommenden Herbſt wird
im regenerirten Paris nichts mehr übrig ſein, als die Klaſſiker, die 40 Unver⸗
brennbaren der Akademie!— Dies ſind die neuen Calembourgs du ther- mométre, welche jezt in Paris im Schwunge ſind, und von denen wir unſern Leſern ein Pröbchen mittheilen wollten.— Seit einiger Zeit ſieht man in dem Globenſaale der königl. Bibliothek zwei trefflich und mit größ⸗ ter Genauigkeit gearbeitete Modelle jener berühmten Porzellanthürme in China, von denen alle Reiſenden mit ſo großer Bewunderung, vielleicht auch Uebertreibung reden. Die Modelle ſind in China ſelbſt verfertigt, und erre— gen große Aufmerkſamkeit; ſie ſind übrigens nur eine Probe der ungeheu— ern Sammlung von chineſiſchen Kunſt— gegenſtänden und Raritäten, welche ſeit langer Zeit in der Bibliothek auf⸗ gehäuft, jedoch wenig bekannt gewor⸗ den ſind.— Kürzlich erſchien eine Ue— berſezung von Spindler's Roman,„der Jeſuit“ von Hrn. Le Dhuis, der ſchon früher deſſen„Juden“ und„die Non⸗ ne von Gnadenzell“ übertragen hat. Spindler's Romane finden in Paris großen Beifall.— Ein franzöſiſches Blatt läßt die Monarchen im Septem— ber zu Warmbrunn in Sibirien(ſtatt zu Warmbrunn in Schleſien) zuſam⸗ menkommen. K. a
flliszellen.
Köhn. Es iſt eine ſeltſame, doch oft gehörte Klage, die Klage über die Fruchtbarkeit geſegneter Jahre! Mehr als je hört man ſie jezt von den Wein⸗ bauern den ganzen Rhein entlang; ſie haben alle zu viel Wein; mehr Wein als Fäſſer und Keller. Man findet Win⸗ zer, die fünf bis acht Stük Wein im Keller, aber kaum eine harte Brodrinde auf dem Tiſch haben. Alle Lager ſind überfüllt, und an Käufern fortwährend
Mangel; und Viele, die im lezten
Herbſte annehmbare Gebote ausſchlu⸗ gen, bereuen es jezt ſebr. Dazu kom⸗ men nun noch die Ausſichten für dieſes


