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ter an der Wien trat Hr. Scholz, von ſeiner Kunſtreiſe zurükgekehrt, im „Lumpazivagabundus“ auf. Vorgeſtern gab man den„Tell“ zum zweitenmale. Bei der erſten Vorſtellung war ich, und da wurde Hr. Kunſt mit ſeinem Sohne, der den Walther gab, geru⸗ fen. Der Vater legte ſeine Hand auf des Kindes Haupt, und ſprach ſehr be⸗ ſcheiden al ſo:„Früh übt ſich, was ein Meiſter werden ſoll.“— Ich bin neugierig, ob der Kleine ſich ſchon im Reiten übt.— Im Leopoldſtädter⸗ theater, welches ich beſuchte, gab man Bäuerle's„Aline“. Endlich wieder einmal ein Stük aus dem goldenen Zeitalter.— Hr. Lang iſt kein Vims. Mad. Scutta iſt eine Aline, Delle. Jäger eine Zilli, und Hr. Tomaſelli ein Wildau. Hingegen kömmt kein Ko⸗ miker, im Vortrage der Geſangsnum⸗ mern, dem Hrn Lang gleich. Hr. Blan— kovski ſtand auf ſchwachen Beinen, d. h. er ſtellte ſich, wie die Rolle es er⸗ forderte— betrunken. Zu loben iſt Hr. Schadetzki als Schulmeiſtersſohn. Mad. Thal ſollte die Liſſa ſein, ſie ſpielte auch dieſe Rolle, aber ſie war doch keine Liſſa. Keine Zauberei! blos Talentmangel!— Geſtern war ich in dem Joſephſtädtertheater, da gab man: Leichtſinn und gutes Herz. Ein„Schauſpiel“ ſtand auf dem Zettel, es muß wahrſcheinlich ein Irr— thum ſein. Es ſoll heißen: Ein „Schau“, den von Spiel war gar keine Rede, den Hrn. Ditrich und den Anfänger Hr. Wagner ausgenommen. In dieſem Theater geht es ſchön ru— big her; neulich:
Da fällt von des Altans Rand,
Ein Handſchuh von ſchöner(2) Hand
Zwiſchen den Bänken,
Mitten hinein! Der Eigenthümer ſoll, wie man ſagt, ſelbſt den Handſchuh geholt haben, weil Niemand im Parterre und der
Billeteur eingeſchlaſen war.— Oe „Berliner Droſchkenkutſcher“ iſt eine anſpruchloſe Voſſe von Holtey, in der mir der Verfaſſer recht gut gefiel.— Ich muß jezt ſchließen, denn der Wa⸗ gen erwartet mich. Ich mache nämlich eine kleine Kunſtreiſe aufs Land, und werde dort mit der Delle. Natur einige Gaſtrollen im Freien geben, Nächſtens die Fortſezung. Policinello. Berlin. Ein ſehr unterrich⸗ teter Ausländer ſchreibt uns: Ich ha⸗ be jezt wieder einen guten Theil deut— ſcher Theater geſehen, und gefunden, was ich früher gewußt habe— nämlich, daß das deutſche, Schauſpiel hier her— um*) ſchon todt iſt, und die deutſche Oper aus Mangel an Sängern bald todt ſein wird. Daß Strauß höher ſteht als Beethoven, und die Virch— Pfeiffer pari mit Schiller; al⸗ ſo— was will man mehr, als Bauer werden, wozu noch ehrenwerthe Aus— ſichten vorhanden ſind. K.
Korreſpondenz.
Paris(25. Juli). Wir leben in Paris bei 25 Grad Hize, und jeder Tag vermehrt den Deſpotismus dieſer afrikaniſchen Temperatur; wenn das nur einen Monat ſo fortgeht, ſo kann das Ende der Welt nicht mehr fern ſein. Auch hat die Hize ſchon viele außerordentliche, an Wunder reichende Erſcheinungen hervorgebracht. In ei⸗ nigen mittägigen Ortſchaften haben Hennen ihre Eier hart gebrütet; bei Carcaſſonne hat es ſiedendes Waſſer geregnet, wodurch viele Perfonen arg zugerichtet wurden; bei Toulouſe iſt die Garonne in's Sieden gerathen, ſo
2) Caſſel, Frankfurt, Manheim, Mainz, Carlsruh, Stuttgart, München, Leipzig dc. oc.


