Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
491
 
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ſo und ſo aus? und er beſchrieb recht genau.Ganz richtig!Die hab' ich geſehen! wenn die mich will, ich heirathe ſie; wo iſt ihre Wohnung? Am Thor! Aber ſie iſt unterwegs in ihren Aufträgen.Schadet nichts! Ich eile nach der Gegend ihrer Wohnung. Sie wird kommen, ich werde ſie ſehen, ſprechen und ſo weiter; thun ſie mir den Gefallen und bleiben zu Hauſe, bis ich wiederkomme! Und damit war er fort. Fünf volle Stunden barrte er; da kam die Pfarrerstochter des Weges, der Doktor merkte auf, nach welchem Hauſe ſie hintrippelte mit ihrem beladenen Körbchen am Arm, denn ſie hatte noch Allerlei zu beſorgen gehabt. Da ſtand der Doktor an der Haus thür, wie die Schöne eben hinein ſchlüpfen wollte:Verzeihen Sie, Fräu⸗ lein, und haben Sie die einzige Güte, mich einmal recht genau anzuſehen! Die Erſchrokene ſah allerdings auf den ſich recht wohlpräſentirenden jungen Herrn, aber nicht in der Abſicht, die man ihr zumuthete. Sie war erſt keines Lautes fähig, als aber endlich der Doktor hinzuſezte:Seien Sie ganz ehr⸗ lich, könnten Sie mich wohl zum Manne nehmen 2% kam ihr die Sache in den Spaß und ſie ins Kichern, ſo daß ſie, eben auch nur im Scherz, antwortete: El, warum denn nicht? und nun wollte ſie ins Haus.Danke, ſagte der Doktor, ihr den Weg vertretend;Sie ſind meine Braut, in höchſtens einer Stunde hole ich ſie ab! Damit fort, einen Wagen genommen, zu dem Profeſſor und ſeiner Frau geeilt, Beide auf den Wagen geſchoben, dann wieder nach dem Thor das war das Werk kurzer Zeit. Das arme Kind ließ ſich Alles gefallen; ſämmtliche Perſonen fuhren hinaus nach dem Dorfe G und vom Krankenbette ſprach der gerührte Vater, nachdem ihm der Profeſſor die Verhältniſſe ſeines Freundes verbürgte und ſeine Tochter auf die Frage: ob es ihr Wille ſei, beſchämt zu Boden ſah, den Segen über das Paar. Die requirirte Braut war indeß ſo betroffen von den verhängnißvollen Ereigniſſen der wenigen Stunden, daß ſie bald darauf zu einem tüchtigen Gelächter Anlaß gab. Die Gäſte zu bewirthen, hatte ſie, da die Mutter begreiflich auch etwas verſtört war, zu einem Kaffe ſo haſtige Anſtalten gemacht, daß ſie vergaß ihn zu mahlen, die Bohnen ganz in die Maſchine that, und ſo den ſchlechteſten Kaffe, den ſie in ihrem Leben brauen wird, zu Stande brachte. Um aber zu zeigen, daß ſie es verſtehe, machte ſie an ihrem Hochzeitstage, nachdem der von ihr in Verlin gefundene Kandidat ſie getraut hatte, den Kaffe ſelbſt und zwar ganz vortrefflich. Seitdem iſt etwas über ein Jahr vergangen: das Pärchen iſt eines der glüklichſten auf Erden, und wir ſezen nichts weiter hin⸗ zu, als: beide Mädchen hatten kein Vermögen, aber beide junge Frauen ſind ausgezeichnet in der Wirthſchaft! b.

ueber Nacht wandeln. (Aus dem Engliſchen des Macniſh)

Beim gewöhnlichen Traume ſind einige der Gehirnorgane im wachen Zu⸗ ſtande, andere aber bleiben im ruhigen Schlafe. Und dies iſt auch der Fall beim Nachtwandeln, aber mit dem Zuſaze, daß der Traum oft ſo ſtarker Art iſt, das Muskelſyſtem und, wie in den meiſten Fällen, eines oder mehrere Organe des Gehirns in Thätigkeit zu verſezen. Wenn wir träumen, daß wir