Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
490
 
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Berlin iſt. Er erkundigt ſich nach dem Mädchen, hört alles Gute, nimmt nun ſeinen Sohn am Arm und geht mit ihm zu den Eltern, und da dieſe Beſizer eines kleinen Hauſes, ſonſt aber ohne Vermögen ſind, nimmt Papa zum Vor⸗ wande die Frage: ob hier nicht eine Stube zu vermiethen ſei. Das war nun freilich nicht der Fall, aber ein Wort gab das andere und Papa fragt endlich die Tochter wie nebenher: ob ſie nicht ſeinen Sohn kenne von wegen des Po⸗ ſtens in der Nähe. Hochroth ſteht ſie da, es ergibt ſich indeß, daß ſie troz der beſcheidenen Blike den hübſchen jungen Mann wohl bemerkt hat und Papa wirft ſich alsbald in die Poſitur eines Vrautwerbers. Papa braucht ſeinen Sohn im Geſchäft(er hat eine Oroße Seidenfärberei), die Zeit drängt, die jungen Leute ſind ohne viele Worte verſtändigt; kurze Zeit darauf iſt die Hochzeit und Tages nach derſelben fahrt die junge Frau nach dem Wunſche der Rheinländer ohne irgend eine Ausſteuer mit ihrem ihr angetrauten der einſtigen jungen Erben von 100,000 Gulden dem Rheine zu. Ihre Fahrt zur Kirche und zur Abreiſe glich faſt einem Volksſſeſt, ſo viel Theilnahme an dem Ereigniß namentlich in Betracht des Mädchens, das allgemein in gutem ſittlichen Ruf und dem einer tüchtigen Wirthſchafterin ſtand zeigte die Nach⸗ barſchaft, zu der Nef. auch gehört. Der andere Fall iſt noch romantiſcher. Ein Landpfarrer(in dem Dorfe G, zwei Stunden von Berlin) wurde krank und ſah ſich genöthigt, einen Kandidaten zu rufen, der für ihn predige, bis er ſelbſt wieder ſein Amt verwalten könne. Er hat eine zahlreiche Familie, und das älteſte der Kinder war eine Tochter von beinahe achtzehn Jahren. Dieſer gab er in ſeiner Noth den Auftrag, nach Berlin zu fahren und bei einigen Predigern, deren Namen ſie aufſchrieb, nach einem einſtweiligen Amts verwalter zu forſchen. Das Mädchen ging nun zu ihrer Gutsherrin, zu fra⸗ gen: ob ſie vielleicht auch etwas in Verlin zu beſorgen habe. Hier war eben zum Beſuch die Frau des Profeſſor* aus Berlin; dieſer fiel gleich bei dem Eintreten das ſehr hübſche Mädchen auf, das ihr obenein von der Gutsherrin mit dem lobendſten Zeugniß vorgeſtellt wurde, und im Geſpräch ſagte ſie zu der Pfarrerstochter, die ſehr naive Antwort gab:Veſuchen Sie mich doch in Berlin!Das will ich wohl thun, aber Sie müſſen mir verſprechen, uns auch in G zu beſuchen! Das wurde verſprochen, und darauf ſagte die Naive:Sehen Sie, nun kann ich ſchon Morgen kommen und Sie um Rath bitten! und ſo folgte die Erzählung deſſen, was Sie in Verlin zu thun habe, wobei es natürlich Scherze gab, daß die Arme eigentlich nach Berlin ſolle, einen Kandidaten zu ſuchen. Abends war die Frau des Profeſſors wieder in Berlin, da kam zu ihrem Manne in halber Verzweiflung ein junger Arzt, ſprechend:Nun haben wir's! Ich bin angeſtellt als Medizinalrath in* da ſiz' ich dann in dieſer Ferne, von allem geiſtigen und geſelligen Verkehr faſt abgeſchnitten. Könnt' ich doch nur eine Frau mitnehmen in meine neue Heimath!Dazu möcht' ich ihnen wohl verhelfen! lächelte die Frau des Hauſes und der junge Medizinalrath hielt ſie beim Wort.Kommen Sie morgen um halb zwölf her, da iſt auch ſie hier! Das holde Kind erſchien, der Herr Doktor blieb aus; und zwar ſo lange, daß es, ohne Verrath der Abſichtlichkeit, nicht möglich war, unſer allerliebſtes Mädchen zu halten, das ihrem Auftrage genügen wollte. Bald nach ihrem Scheiden trat der Eheſtands⸗ Kandidat ein und als er erfuhr, daß es pät ſei, fragte er haſtig: Sah fle