Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
486
 
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Sonſt müßten wir den Fauſt ohne den Fauſt ſehen; denn es iſt mit allem Scharfſinn nicht zu errathen, wer ihn ſonſt geben könnte.

r.

Literatur.

Wien. Balladen und Roman⸗ zen von Joh. N. Vogl. Wien bei Wallishauſer. 1835. gr. 8⸗ vo.

a Das Feld der Ballade und Ro⸗

manze wurde in dem lezten Jahrzehend,

wo überhaupt ein erfreuliches Aufſtre⸗ ben in der vaterländiſchen Literatur fühlbar war, ganz beſonders fleißig gebaut. Unter allen ähnlichen Erſchei⸗ nungen aber dürften J. N. Vogls Dichtungen in dieſem Fache den ent⸗ ſchiedenſten Werth haben. Die Wärme des in ihnen ausgeſprochenen Gefühls, die, wenn gleich meiſt ſubjektive, doch lebendige poetiſche Anſchauung, Reich⸗ haltigkeit und Maſſe des Stoffes, ſo wie Glanz und Wahrheit der Sprache erheben dieſelben weit über die lezter⸗ ſchienenen Sammlungen dieſer Art. Eine ſtrengere, in den tieferen Prinzip der Dichtkunſt eingehende Kritik würde freilich auch hier noch Manches beſſer wünſchen, dies hindert aber nicht, daß dieſe Sammlung eben die beſte iſt, die ſeit vielen Jahren in Oeſterreich ge drukt wurde. Vogl iſt der Sprache und der Form Meiſter, und zeigt ein aufmunternswerthes Talent, auf dem von Uhland eingeſchlagenen Wege fortzuſchreiten. Mehrere ſeiner Dich⸗ tungen tragen ſchon jezt den Stempel der Vollendung.(Zu haben bei Hart⸗ leben in Peſth.) r.

Korreſpondenz.

Paris(18. Juli). Der bekann⸗ te Chodrüc⸗Ouclos jener Mann in Lumpen und mit dem langen Barte, der ſeit 20 Jahren vom frühen Mor⸗

gen bis zum ſpäten Abend im Palais⸗ Royal herumgebt iſt kürzlich, we⸗ gen eines Vergehens gegen ein junges Mädchen, von dem Zuchtpolizeigericht auf einen Monat zum Gefängniß und zur Bezahlung der Gerichtskoſten von 10 Franks verurtheilt worden. Duelos war bekanntlich ein Anhänger der äl⸗ tern Bourbons, und ein Freund vie⸗ ler unter der Neſtauration zurükge⸗ kehrten Franzoſen. Er machte ſich Hoff⸗ nung, verſorgt zu werden, und wähl⸗ te, als ihm dieſe fehlſchlug, ſeinen elenden Bettleraufzug, indem er ſich an dem damals beſuchteſten Orte von Paris, dem Palais-Royal, allen Bli⸗ ken ausſezte, um wie er meinte die Miniſter, ſeine untreuen Freunde, und den König zu ärgern. Anfänglich machte er einiges Aufſehen, jezt küm⸗ mert man ſich nicht mehr um ihn, und erſt der neuliche Fall brachte ihn wie⸗ der auf kurze Zeit ins Gerede. Die Ernennung eines neuen Direktors der großen Oper iſt beſtimmt, aber noch nicht vollzogen. Man glaubt jedoch, daß dies noch im Laufe dieſes Monats ſtattfinden werde. Der beliebte Schau⸗ ſpieler Frͤderie Lemaitre wird im Por⸗ te St. Martin⸗Theater wieder auftre⸗ ten. Er hat dazu die Rollen des Othello und des Macaire, in der Bur⸗ leske:L'auberge des Adrets, ge⸗ wählt, die er an einem Abende dar⸗ ſtellen wird. Eine Menge Englän⸗ der haben ſich in Paris eingefunden, um der Feier der Julifeſte beizuwoh⸗ nen. Kaum war der berüchtigte Pro⸗ zeß la Roncière's entſchieden, als ſich eln neuer, ähnlicher Fall ereignete. Der Doktor Adiſon ſah einen Men⸗ ſchen Nachts zu ſeiner Tochter ins Fenſter ſteigen; er eilt ſogleich dahin, und ſieht, wie er ſich ihr naht, und dumpf die Worte ſpricht:Je I'aurai! Bald zeigt es ſich aber, daß es ein in der Gegend bekannter