Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
487
 
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Cretin war, der ein großes Gelüſten zu den bekannten ſchwarzen Colliers von Noſenkügelchen hatte, wie Dem. Adiſon eines trug. Man war froh, mit dem Schrek davon zu kommen, ſchenkte dem armen Teufel den Hals ſchmuk, und wird ihn nicht vor den Aſſiffenhof ſtellen. Als man ihn ſeinen Angehörigen zur beſſern Aufſicht em pfahl, ſprang er wie ein Kind in die Höhe, und rief in einem fort:je Tai! je Pai! Die Familie Graſſl aus Berchtesgaden, die muſikaliſchen Kinder und ihr Vater, machen in Pa⸗ ris fortwährend Aufſehen. Das Theatre Francais bringt mehrere alte Stüke wieder auf die Szene; unter Andern:le glorieux, von Destou⸗ ches, den die Klaſſiker gleich nach dem Miſanthrope von Molière nennen. Am Theater der Porte St. Martin gibt man nächſtensJudith von Nor⸗ mandier. Das Dorf Batignolles bei Paris, d. h. dicht vor den Thoren, ſoll in eine Stadt umgeſchaffen wer⸗ den, und Autinville heißen.Die Meer⸗Geuſen im Ambigu dürften et⸗ was für unſere Ueberſezer ſein. Die berühmte Tänzerin, Dem. Mimi Dü⸗ puis, die ſo lange auf dem Kärnthner thor⸗Theater in Wien das Publikum entzükte, iſt mit dem Tänzer Chateèle hier angekommen, und wird in der gro ßen Oper tanzen. Hier ſind gegen⸗ wärtig 12 Granden von Spanien und 4 ſpaniſche Exminiſter(Burgos, Cruz, Torres und Encima-Piedra) anweſend. K.

Miszellen.

Agram. Unſer tükiſche Save⸗ ſtrom, der alljährlich gleich dem Charib⸗ dis⸗Schlund ſeine Menſchenopfer for⸗ dert, hat den 5. Julius zwei hoffnungs⸗ volle akademiſche Jünglinge verſchlun⸗

gen. Der heiße Tag lud mehrere jun⸗ ge Menſchen ein ſich im Waſſer abzu⸗ kühlen und zu baden. Ein Baumſtamm lag darin, der jugendliche Muthwille führte ſie dazu, denſelben gleich einem Pferde zu beſteigen und ſich darauf zu ſchaukeln, doch der Stamm litt die Reiter nicht, wendete ſich ſchnell, wo⸗ durch alle ins Waſſer geſchleudert wur⸗ den; einige retteten ſich noch zu rech⸗ ter Zeit, doch der 15-jährige Alexan⸗ der v. Dönety, Sohn eines Gutsherrn, verſank in den Fluten. Einer der be⸗ ſten Schwimmer eilte zu ſeiner Hilfe herbei, jedoch der Verunglükte, klam⸗ merte ſich in der Todesangſt ſo feſt um den Hals ſeines Retters, daß ihm Athem und Vewußtſein entging, und er ſich unmöglich losmachen konnte. So waren nun beide dem naſſen Grabe anheim gefallen. Der edelherzige Ret⸗ ter heißt Carl Kupann, iſt 22 Jahr alt, und war der Troſt und die Hoff⸗ nung ſeiner verwittweten Mutter aus Carlobago. Eine allgemeine Theilnah⸗ me, von Furcht und Hoffnung erregt, verſammelte an jenem Tage eine große Volksmenge und füllte die gegen die Save führenden Gaſſen, bis endlich Abends, nach fruchtloſen Verſuchen zur Belebung, zuerſt der Retter und dann das andere Opfer hereingebracht wurde.

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Agram. Ein Verſuch ſich zu retten, gleich jenem Trenks, denkwür⸗ digen Andenkens, geſchah vor kurzer Zeit auch hier. Ein Züchtling verſuchte ſich aus dem Gefängniß heraus zu gra⸗ ben; als er ſchon eine ziemliche Streke ſich herausgearbeitet hatte, konnte er plözlich weder vor noch zurük, und die Furcht einen elenden Hungertod zu ſter⸗ ben, ließ ihn um Hilfe ſchreien, was auch gehört wurde. Han

Paris. Am 10. Juli Abends ſah der Sohn des Architekten Bourla, der auf dem Quai de Valmy wohnt,