Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
478
 
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chen den ſtereotypen Charakteren der Pantomime. Der Redakteur iſt der Pantalon, die Zeitſchrift iſt die Columbine, die hat gewöhnlich ei nen ſchönen Kopfpuz, ſteht auf leichten Beinen, in ihren Au gen kann man ihr Innerſtes leſen, hat, wie man ſagt, das Herz auf der Zun⸗ ge, und ſpricht nur durch Zei⸗ chen. Die Rezenſenten ſind die Har lekine, die Feder iſt ihre Harle kinspritſche; ſie machen der Colum⸗ bine immer die Kur und kramen ihr ihre ganze Gelehrſamkeit aus. Sie ſind wie die Harlekine geflekt, denn erſtens ſpielen ſie alle Farben, zwei⸗ tens kommen ſie ſelten ohne F le- ken davon. Die Leſer bilden nicht blos die Zuſchauer, ſondern Einige von ihnen, z. B. die Literaten, Schauſpie⸗ ler de. ſpielen ſelbſt mit; dieſe ſind dann die Pierots, denn wenn ſie getadelt werden, ſchnei den ſie ku⸗ rioſe Geſichter. Die Korreſpon⸗

denten endlich ſind die Policinel⸗

lo's; denn erſtens haben ſie vorne und rükwärts einen Vukel, auf den ſie fallen, und ſo können ſie nicht auf den Kopf fallen; zweitens müſ⸗ ſen ſie über kleinliche Angriffe er ha ben ſein, darum gehen ſie auf Stel⸗ zen; drittens tragen ſie eine Lar⸗ ve, das iſt eigentlich das intereſſante⸗ ſte, denn manchmal glaubt man, weiß der Himmel, wer hinter der Larve ſtekt, am Ende ſtekt nichts da⸗ hinter; viertens hat der Korreſpon⸗ dent das mit dem Policinell gemein, daß jener ſo wie dieſer eine lange Naſe, und von hartem Pappendekel ha ben muß. Lang muß ſie ſein, weil der Korreſpondent überall die Naſe hin einſteken muß, aus Pappen deb el, damit man ihm keine Naſe drehen kann. Endlich fünftens muß er ſo wie der Policinell eine graue Perüke tragen, denn eln Korreſpondent darf ſich kein

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graues Haar wachſen laſſen! Alle meine werthen Leſer werden daher leicht einſehen können, daß der Name Pol i⸗ cinello für einen Korreſpondenten der paſſendſte iſt, und ich will ihn da⸗ her auch beibehalten. Ich könnte mich zwar den Wiener Abällino nen⸗ nen, da manzſchon viele hiſtoriſche Per⸗ ſonen ins Wieneriſche überſezt hat, denn wir haben jezt einen Wiener Jean Paul, einen Wiener Shak ſpeare, einen Wiener Waſhington Irwing, warum ſollen wir denn nicht auch einen Wiener Abällino haben 2 Wenn ich z. B. als Flodoarde in einen Zirkel hieſiger Literaten komme, und ſie nehmen gerade meine Korreſpondenz Notizen her, was für Geſichter wür den dieſe machen, wenn ich plözlich aufſtünde und riefe:Edle von Vene dig! Abällino iſt unter euch!Un⸗ ter uns? würden ſie fragen todt oder lebendig?Lebendig wür⸗ de ich antworten und einen Lacher aus ſtoßen, daß die Wände davon erbeben müßten; allein ein Korreſpondent mit ſolch' einem Räubernamen wäre ein primo furioso assoluto. Nein! nein! ich bleibe lieber bei meinem halsbreche⸗ riſchen Policinello. Am erſten Au⸗ guſt beginnen alſo meine Saltomortal⸗ ſprünge in dieſen Blättern, und wir wollen ſehen, ob ich nicht den Hals da⸗ bei breche. Policinello. Paris. Vor dem königl. Ge⸗ richtshof in Paris war ein Prozeß zwi⸗ ſchen der Gräfin Kerſauſie und der Fa milie Latour d' Auvergne über die Frage anhängig, wem das Herz Latour d' Auvergne's, bekannt unter dem Na⸗ men:der erſte Grenadier von Frank reich, zugehöre. Der Gerichtshof ſprach zu Gunſten der Gräfin Kerſauſie, und verurtheilte den General Grafen La⸗ tour d' Auvergne und ſeinen Sohn, derſelben die Urne mit den Reſten des Tapfern zurükzuſtellen. Es heißt,