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da iſt er; er iſt deiner würdig, als bravee Mann hat er angefangen und als braver Franzoſe fuhr er fort!“
Eugen und Louiſe ſahen das Mädchen an, ohne ſprechen zu können. Der Grenadier ſtand auf, nahm ſeine Müze ab, nahm das Kreuz, wiſchte ſich eine Thräne aus den Augen und ſagte:„'s iſt gut.“
Dann wandte ſich Chriſtine an ihren Bruder und ihre zukünftige Schwä⸗ gerin. Sie war nicht mehr dieſelbe: ihr Charakter hatte eine ernſte Färbung angenommen. Sie ſagte zu Louiſen:„Nun bin ich auch Braut und mein Pfand liegt in den Händen des Grenadiers von der Garde.“
Am andern Morgen früh ging ich, den Torniſter auf dem Rüken, zu dem Eibenbaume und fand das Kreuz darin; ich glaubte zwiſchen dem Gebüſche die Uniform und die rothen Epauletten eines Unteroffiziers zu bemerken, der mich belauſchte⸗
Ein Jahr nachher war der Feldzug in Sachſen vorüber und der Feldzug in Frankreich begann. Eugen war mit Louiſen verheirathet; die ſchrekliche Rekrutirung traf ihn wie die Andern, aber diesmal hielt ihn nichts zurük. Man ſah vorher, die Angſt werde diesmal nicht lange währen; und dann galt es ja auch die wirkliche Vertheidigung Frankreichs, ſo daß es eine Schande für den Mann, der nicht an die Grenze geeilt wäre, eine Schande für die Frau geweſen wäre, welche ihren Mann zurük gehalten hätte. Eugen ſchloß ſich alſo diesmal nicht aus. Bei der Vrüke von Montereau gingen ihm, nach— dem er ſich lange mit den Vorpoſten geſchlagen hatte, die Patronen aus, und er mußte ſich, ſo gut es gehen wollte, mit ſeinem Infanterieſäbel gegen fünf öſterreichiſche Grenadiere vertheidigen, bis ein Karabinierlieutenant herbei— ſprengte und ihm zurief:„Rekrut, gehe zu deiner Frau und deiner Schwe— ſter, und laß die ſterben, welche Niemand haben.““ Und der Lieutenant hieb zwei Grenadiere nieder, aber ſein Pferd erhielt einen Bajonnetſtich und ſtürzte, und dann wurde er ſelbſt verwundet, daß er zu Boden ſank. Die drei feind— lichen Krieger fielen bald darauf von franzöſiſchen Kugeln, und Eugen trug ſeinen Retter in ein nahes Haus, wo er ihn ins Leben zurükrief. Der Sol⸗ dat und der Offizier wurden Freunde und Waffenbrüder, aber der Soldat konnte weder die Aufopferung des Offiziers, noch die Worte, welche n
ochen hatte, begreifen. ae N(Beſchluß folgt.)
Das Mondenlicht.
Daß die Strahlen des Mondenlichts einen] eigenthümlichen und ſchädli— chen Einfluß auf den Körper haben, ſcheint durch die Erfahrung beſtätigt zu ſein. Matroſen, die auf dem Schiffe in dem Mondenſcheine ſo liegen, daß ihr Geſicht den Strahlen des Mondes ausgeſezt wird, iſt oft der Mund krumm gezogen und die Muskeln ſind ihnen krampfhaft verdreht worden; andere ha— ben an ihrem Sehvermögen gelitten und daſſelbe wohl gar auf mehrere Mo— nate verloren. Fiſche, welche die ganze Nacht über in dem Mondenlichte ge— bangen hatten, verurſachten, als man ſie am nächſten Tage aß, gefährliche Krankheit und entſezliche Schmerzen. Manche wollen bemerkt haben, auch der Geiſt ſtumpfe bei denen ab, welche eine Nacht von dem Mondenlichte beſchienen


