461
Maſte ausſtoßen würde, wenn das Schiff in den Wogen verſänke. Dann der Jude mit trauriger Tenorſtimme, welche etwas Aehnliches mit dem Miauen des Katers hat; dann die kleinen Lavendelverkäuferinen mit ihren dünnen Stimmchen. Dies iſt der einzige angenehme Ruf auf den Straßen und es klingt faſt wehmütig, wenn ſie rufen: buy my sweet lavender(kaufen Sie meinen ſüßen Lavendel)! Ihre Töne werden aber bald von denen eines großen Kerls überſchrien, der Hummern verkauft. Er brüllt mit einer Stentorſtim⸗ me, und der Ton, der nie enden zu wollen ſcheint, ſchwirrt von einem Ende der Straße bis zum andern: I-o-b-st-e-e-e-e- e- er! Es ſcheint unmöglich, daß er ſeine gewaltigen Lungen noch weiter ausleeren könne, aber man irrt ſehr; wenn er mit dem endloſen Worte fertig iſt, läßt er den Ton ſo ſchnell, ſo gewaltig in die Oktave hinaufſpringen, daß man glauben ſollte, ſeine Kehle müſſe ſpringen. Während man noch hört, kommt ein Anderer mit einer Kuh; er verkauft friſch gemolkene Milch, und kündigt ſich ſelbſt mit leiſer und ern⸗ ſter Stimme an: new milk from the( friſche Milch von der)— dann mit einem gellenden, durchdringenden Tone, cow, cow(Kuh). Dann kommt ein Gärtner mit Obſt und Blumen, und kündigt ſeine verſchiedene Waare mit verſchiedenen Tönen an, z. B. ſanft: nice summer cabbages(zarter Som⸗ merkohl!) mit Rührung: broccol, rhubarb, and peas(Blumenkohl, Rhabarber und Schoten!); wüthend: gooseberries, apples, oranges and eress(Stachelbeeren, Aepfel, Orangen und Kreſſe!). Er wird bald von ei⸗ nem Andern erſezt, der auf ſeine Waare mit einer Klingel aufmerkſam macht; hierauf kommt ein heiſerer Schreier, der in barbariſchen Kehltönen etwas Un⸗ berſtändliches ausruft. Darunter miſchen ſich Beſenverkäuferinen de. de.
Die Mode und die Frauen in Cadix.
Man rühmt die Grazie, mit der die Damen von Cadix den Fächer zu handhaben wiſſen. Sie tragen ihn auf der Promenade, bei Beſuchen, im Schau⸗ ſpielhauſe, auf Bällen de. Gewöhnlich beſchränkt ſich ihre Pantomime darauf, ihn mit entzükendem Muthwillen auseinander- und wieder zuſammenzuſchlagen. Er iſt für ſie ein unentbehrliches Spielding, und ſie legen ihn weder in der Kirche noch bei einer Zuſammenkunft ab. Eben ſo ſchön wiſſen ſie die Man⸗ tille zu tragen; aber die Mantille faͤngt an, aus der Mode zu kommen; Spa⸗ nien verliert alle Tage etwas von ſeinen Eigenthümlichkeiten.
Der Reiſende, verſichert man, ſieht mit getäuſchter Hoffnung, wenn er VBasquinas und Mantillen zu finden hoffte, auf der Alameda von Cadix die Andaluſierinen nach den neueſten ausländiſchen Modenjournalen gekleidet, mit Boas, roſa Hüten, Gigotärmeln, Gazekleidern und Marabouts. Die Königin Wittwe beſchäftigt nur engliſche und franzöſiſche Modenarbeiterinen, und bald wird der Prado von Madrid dem Prater von Wien oder Los gchamps gleichen. Sonſt hielt man feſter an der Nationaltracht. Karl III. verſuchte vergebens, die Moden von Verſailles im Escurial einzuführen; die kaſtilianiſchen Hidal⸗ gos wollten weder ihre Röke, noch ihre Bärte abſchneiden, und Karl III.


