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Zwölf Miguelets ſtanden mit ihren Karabinern bewaffnet da. Sie ſchie— nen ungeduldig das Zeichen zu erwarten, um mit ihrem unſeligen Auftrage zu Ende zu kommen.
Auf die Kniee! rief Miguel mit einer Stimme, die er drohend und ſtreng tönen zu laſſen ſich mühete.
Der Gefangene knieete mit einem Knie auf den Voden und wandte ru— hig und ſtolz die Stirn gegen die Soldaten, die ſchon die Karabiner anlegten.
Miguel trat einen Schritt vor das Peloton.
— Im Namen König Ferdinand's, meines und Ihres geſezmäßigen Herrn, gebe ich Ihnen Ihren Degen zurük. Werden Sie ihn nun noch ferner gegen Ihren König gebrauchen? Gehen Sie jezt, Kapitain! Sie ſind frei! Vielleicht denken Sie manchmal an Miguel den Guerillero.
Sie fielen ſich beiderſeitig in die Arme.
— Wir ſind quitt! ſagte endlich Miguel und begleitete den Offizier bis an den Fuß des Gebirges auf die Straße nach Varcellona. Eine Stunde dar— auf war er wieder im Lager, und vor dem Baron d'Erolès ſtehend, erwartete er deſſen Erwachen.
— Ah, du biſt's, Miguel! ſagte der General, als er aufſchaute.
— General,— antwortete der Guerillero ruhig, indem er ſeinen Ka— rabiner, ſeine Piſtolen und ſeinen Dolch zu deſſen Füßen niederlegte— ich bin Ihren Befehlen ungehorſam geweſen... hier iſt mein Kopf.
— Wie, Miguel, der geſtrige Geſongebe N
— Iſt nicht erſchoſſen— ich habe ihn gerettet— er iſt frei.
— Frei? rief der Baron d'Eroles mit dem drohenden Tone des Zorns, vor dem jeder Andere als Miguel gezittert hätte.
— Sie hatten mir ſeine Begnadigung abgeſchlagen, ſo habe ich ſie ihm denn im Namen des Königs bewilligt. Statt ſeines Lebens nehmen Sie das meine.
Und der Guerillero knieete, das Kreuz ſeines Roſenkranzes küſſend, nieder, um den Tod zu erdulden. 0
Der alte General blieb einen Augenblik unentſchloſſen. Eine Thräne glänzte in ſeinem Auge. Er zog den Degen und leicht damit des Miguelets Schulter berührend, ſagte er: Braver Miguel, du haſt Gnade geſchenkt im Namen des Königs, und im Namen des Königs ſchlage ich dich hiermit zum Ritter des heiligen Ferdinand's.... Stehe auf und umarme Deinen Freund!
Einen Augenblik darauf fragte der General den Miguelet: Kennſt du den Namen des Offiziers, der dir das Leben verdankt?
— Er hat mir ihn bei'm Abſchiede geſagt.
— Und wie heißt er?
— Man nennt ihn een pen 90
Stempelpapier.
Nach in mehrern Ländern, namentlich der Lombardei, bereits beſtehen⸗ der Einrichtung will man auch in Frankreich die Poſtanſtalten autoriſiren, geſtempeltes Brieſpapier noch dem Gewichte zu verkaufen. Der darauf beſiod⸗


