Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
444
 
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Armen, in der Stellung edler Gleichgiltigkeit, ohne Prahlerel, erfreut nur darüber, daß er das ſeinem Befehle anvertraute Korps gerettet habe.

Kapfltain! ſagte Jener Sie wiſſen, daß Mina vorgeſtern einen meiner gefangenen Adjutanten hat erſchießen laſſen. Wie Sie den Krieg füh⸗ ren, wollen wir ihn auch führen, bei der Madonna! Sie ſterben morgen mit Tagesanbruch.

Der Offizier ſah ihn an und blieb unbeweglich.

Es iſt grauſam, aber gerecht! fuhr der General fort. Wünſchen Sie noch etwas vor Ihrem Tode?. g

Kommandant, einen Mantel für dieſe Nacht, ſagte der Offizier.

Bei dem Tone dieſer Stimme bebte Miguel zuſammen. Er ſah den Kon⸗ ſtitutlonellen aufmerkſam an. Ein Bliz der Freude zukte in ſeinen Augen.

General! ſagte er mit einer von innerer Bewegung zitternden Stimme das Leben! Schenken Sie mir das Leben dleſes Negro!

Der Baron d'Erolès gab ein Zeichen, den Gefangenen fortzuführen, und wendete ſich dann zu Miguel, dem er mit ernſtem Tone antwortete: Nein! es muß Gerechtigkeit gehandhabt werden.

Gerechtigkeit ſoll gehandhabt werden, entgegnete Miguel ich ſtehe Ihnen dafür! Damit entfernte er ſich.

Die Gipfel der Berge fingen ſich von dem erſten Morgenlichte zu röthen an, als Miguel zu dem Gefangenen trat, der noch im Schlafe lag.

Auf, Kamerad! rief er ihm zu, indem er ihn auf die Achſel ſchlug Auf, der Tag bricht an!

Ja, wahrhaftig! antwortete der Offizier, ohne die geringſte Bewe⸗ gung zu zeigen Ich bitte Sie nur noch um einen Augenblik Zeit, damit ich meine Seele Gott empfehlen kann, dann ſtehe ich zu Dienſten.

Er knieete nieder und betete, ohne daß das Lärmen der Miguelets, die ihre Gewehre luden, ihn bei dieſer frommen Pflicht zu ſtören ſchien. Als er geendigt hatte, ſtand er auf, trat zu Miguel, der, auf einem Felsbloke mit in die Hand geſtüzter Stirn ſizend, tief nachzudenken ſchien, und ſagte: Jezt bin ich fertig, Kamerad.

Der Ouerillero bebte zuſammen und fragte, indem er die Hand des Ge⸗ fangenen lebhaft drükte, mit leiſer Stimme: Erkennen Sie mich nicht wie der, Kapitain?

Der Offizier ſchien ſein Gedächtniß anzuſtrengen. Nein! ſagte er endlich Aber ſo viel ich weiß, haben Sie mich gefangen genommen, auch ſind Sie es, wenn ich nicht irre, dem der General aufgetragen har, mir mei⸗ nen Paß für die Ewigkeit auszufertigen. Ich bin deshalb nicht böſe auf Sie. Sie thun Ihre Pflicht.

Meine pflicht, die kenne ich und werde ſie thun. Aber ihr Gedächt⸗ niß iſt ſehr ſchwach, Kapitain. Glüklicherweiſe habe ich ein beſſeres und habe daher den Col de Porpes nicht vergeſſen!

Bei kieſem Namen, der in dem Gefangenen ruhmvolle und wohlthuende Erinnerungen zu erneuern ſchien, ſah dieſer nochmal Miguel an. Er machte eine Bewegung, als ob er ihn wieder erkannt habe, ſchwieg aber, als er ſah, wie der Guerillo alle Anſtalten traf, um den Befehl des Barons d'Eroles zu dollziehen. 5 g