Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
443
 
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tutioneller nach Varcellona begleitete. Er ging in Ordnung und mit Vorſicht in dieſem gefährlichen Engpaſſe. 5 g

Als die Spize des Zuges ſich im Vereiche des mit den Seinen am We⸗ gesrande im Hinterhalt liegenden Miguelets befand, ſprang dieſer auf und rief mit Donnerſtimme, ohne ſich an die ungeheure Minderzahl der Seinen zu kehren: Halt!

Aus einer Art von maſchinenmäßigem Gehorſam für ein militairiſches Kommando hielt die Kolonne an. Die Guerilleros, welche ſich die allzugroße Verwegenheit ihres Anführers nicht erklären konnten, ſtuzten auch und warteten. g

aui vive? fuhr Miguel fort.

Vive la constitution! rief der Offizier, der den Zug befehligte.

Vive le roi! meure la constitution! antwortete die ſtarke Stimme des Guerillero. 5

Es lag etwas Furchtbares in dieſem ſchnell gewechſelten Zwieſprach, wel⸗ ches eine Todesdrohung enthielt. Auf Miguel's Ruf krachten zwanzig Büch⸗ ſenſchüſſe auf ein Mal los, vom Echo des Gebirges in's Unendliche wiederholt.

Dies war ein Signal. In einem Augenblike war die ganze Felſenlinie an der Straße mit Guerilleros beſezt, deren Feuer ſich auf gutes Glük nach allen Richtungen hin kreuzte. Zu gleicher Zeit ward es hell im Lager. Die Wachen zündeten Feuerbrände auf den erhabenſten Punkten an. Von allen Seiten tönten laute Erkennungzeichen wie bei einem Ueberfalle. Die Offiziere zogen Befehle vom Varon d'Eroles ein und empfingen die Meldungen der Mi⸗ guelets, welche ihr Anführer von Minute zu Minute abſendet.

In den Reihen der konſtitutionellen Reiter gab es nach der Decharge der Miguelets einen furchtbaren Augenblik des Zögerns und der Ueberraſchung. Ei⸗ nige verwundete Pferde bäumten ſich und brachten Unordnung in die Glieder, die ſchon wie zu einer Flucht ſich löſten. Der Anführer wendete mit verzweif lungsvoller Kraft ſein Pferd an der Spize ſeiner Mannſchaft quer über den Weg und zwang dieſe, das Feuer des Feindes unbeweglich auszuhalten. Im Mement verſtand er ſeine Lage. Er hatte nur mit den vorgeſchobenen Poſten des Heeres zu thun, das jezt auf der Vergebene in Bewegung gerieth. Der Weg vor ihm war frei. Auf der Stelle theilte er ſeine Kompagnie in zwei Abtheilungen. Die eine nahm die Gefangenen hinter ſich auf die Pferde und ſprengte unter dem vergeblichen Feuer und den Verwünſchungen der Miguelets vorwärts, während er an der Spize der anderen den Rükzug dekte und den Angriff Miguel's und der Seinen aushielt.

Begünſtigt von der mit einem ſo plözlichen Angriffe ſtets verbundenen Unordnung, hatte er die auf der Straße am weiteſten Vorgerükten zurükge⸗ trieben, als bei einer der lezten Decharchen ſein Pferd ſtürzte. Einige Minu⸗ ten darauf waren die Konſtitutionellen außer dem Bereiche und ihr Anführer gefangen, welcher dann auf die Vergebenen in's Lager vor den Baron d' Erolés gebracht ward. 5

Der alte General hörte ſtehend neben dem Strohbündel, auf welchem er geruhet, und von einem Mantel überdacht, den man an zwei gekreuzten Flinten aufgehangen, nach dem Scharmüzel Miguel's Vericht an. Er unterbrach ihn bei der Ankunft des Gefangenen, der vor ihm ſtand, mit untergeſchlagenen