Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
442
 
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her entflammt und warf dann einen röthlichen Reflex auf ihre durch Catalo⸗ niens Sonnen gebräunten Züge.

Nach und nach ſchwiegen die Plaudereien, die Sagen aus der Sierra Morena und die Erzählungen von Stiergefechten, und die Feuer verlöſchten. Nichts unterbrach das Schweigen der Nacht, nur dann und wann klang von Echo zu Echo im Gebirge das Geklingel einer Maulthiergloke, oder der Re⸗ frain eines Volero, den ſich ein Vorpoſten während der langweiligen Wacht⸗ ſtunden pfiff, wieder. N

Weiter hinab nach der Ebene zu leuchtete ein Feuer durch die Nacht, unbedekt, wie eine Herausforderung der Gefahr oder ein Fallſtrik für den Feind. Um daſſelbe ſaßen fünf bis ſechs Männer auf Granitblöken und rauch⸗ ten, und die düſtere Flamme des grünen Eichſtammes beſchien ihr ſchweigſames Lächeln, wenn ſie ihre mit den hohen, bebänderten Hüten bedekten Häupter einem Guerillero zuwandten, der ihnen gegenüber an den Fels gelehnt ſtand.

Ei zum Henker! ſagte dieſer, indem er bei jeder Sylbe ſeine Zigarre auf der Lippe erzittern ließ glaubſt du denn, daß Anton io Miguel, der Guerillero, ſich fürchte, ſich ſehen zu laſſen? Nein, bei Gott nicht! Und die ganze Armee der Negros, die, wie Fra Genares ſagt, den König in Cadix gefangen hält, würde die Miguelets nicht daran hindern, ihre Feuer in den Gebirgen anzuzünden, wenn die Nacht kalt iſt. Das Gebirg gehört den Mi⸗ guelets, wie das Königreich Spanien dem Könige Ferdinand. Eh viva el rey Fernando!

Zugleich ſtieß er mit dem Fuße einige Zweige mitten in die Kohlen, daß die Flammen in Rauchwolken bis zu ihm hin wirbelten, während die An deren wiederholten: Viva el rey Fernando! Viva Miguel!

Es war Miguel, der Guerillo, Anführer der Miguelets, die die Vor⸗ hut des kleinen Heeres des Barons d' Eroles bildeten. Seine Tapferkeit, ſeine Kühnheit ſezten ſelbſt die alten franzöſiſchen Grenadiere manchmal in Stau- nen, als jene Abtheilung des Barons zu dem Aten Corps der franzöſiſchen Armee ſtieß.

Er hatte ſich mit einigen der Seinigen als vorgeſchobener Poſten am Rande der Straße aufgeſtellt, um die Zugänge zum Lager zu deken, und vor allen Dingen, um der Erſte zu ſein, wenn es gälte, vielleicht auch, um die Gefahr herbeizuloken, denn von allen Seiten aus war die Stelle, wo er ſich befand, zu ſehen, und der Ton ſeiner Stimme, die er nicht zu mäßigen ſuchte, klang bis weit in die Ferne. Er ſang den Refrain eines Guerillas-Geſanges jener Gegend, und hielt dann plözlich inne und horchte aufmerkſam. Die Guerilleros warſen ihre kataloniſchen geſtreiften Mäntel ſacht hinter ſich, und einige Augenblike darauf konnte man bei dem tiefen Schweigen umher leicht das noch ſehr entfernte Geräuſch von Pferdetritten von der Seite der Straße nach Barcellona zu unterſcheiden.

Bei der heiligen Jungfrau von Atocha! rief Miguel es ſind die Negros!

Auf ein Zeichen von ihm liefen zwei der Seinen in's Lager und mit den Uebrigen ſtürzte er ſich über die Felſen längs der Straße hin vorwärts.

Eine lange, ſchwarze Linie zog ſich an deren Krümmungen hin. Es war ein Transport von Gefangenen aus der Gegend, den eine Kompagnie Konſti⸗