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Mondlichte die rothe Uniform ihres Sohnes erkennen konnte; dann ſezte ſie ſich auf einen bemooſten Leichenſtein und weinte.
Mit Tagesanbruch verließ eine leichte Fregatte die Küſten Irlands, und ein Jüngling mit einnehmenden aber traurigen Zügen, der den Kopf nachden; kend an den großen Maſt ſtüzte, winkte das lezte Lebewohl jener grünenden Inſel zu, welche die Barden den Smaragd des Abendlandes genannt haben. Lange ließ er ſeine Vlike auf der Zinne des verfallenen Thurmes des alten Kloſters weilen, das er am Abende vorher beſucht hatte; lange betrachtete er mit unausſprechlichem Weh die flüchtigen Spizen ſeiner blauen Berge, und als die bewaldetenk Höhen Knock Na Ree's in den Wolken verſchwanden, rollte unbemerkt eine Thräne über das Antliz des Kriegers.
Einen Monat ſpäter warf die engliſche Fregatte in einer Bucht Nord, amerika's den Anker aus. Georg begab ſich zu dem Armeekorps, welches in Carolina Lord Rawdon, ſein Landsmann, befehligte, und zeichnete ſich bald unter den Augen deſſelben durch ſeine Tapferkeit und ſeine Kaltblütigkeit aus. Eine glänzende That erwarb ihm den Korporalsgrad, aber die Presbyterianer im Lager murrten über dieſe Beförderung.
„Es iſt ein Mißbrauch der Gewalt, Mylord,“ ſagte ein alter ſchotti⸗ ſcher Lieutenant,„Ew. Herrlichkeit haben nicht das Recht, einen Papiſten zu avanciren.“
—„Das iſt ein ſchönes Pröbchen von Ihrer Duldung, Donald,“ ant⸗ wortete Lord Rawdon, die Achſeln zukend.„Warum biſt du aber auch Katho— lik 2“ wendete ſich der Lord lebhaft an Georg.
„Mylord,“ entgegnete Fitzgerald,„Sie würden nicht wagen, in der al— ten Abteikirche, wo Ihre edlen Ahnen ſchlafen, eine ſolche Frage an mich zu richten. Ich bin, was ſie vor 500 Jahren waren und was Sie ohne den ge⸗ bäſſigſten Tyrannen, den England je geboren hat, noch ſein würden.“
Lord Rawdon bebte.„Es iſt möglich,“ ſprach er,„aber höre mich, Georg; denke über deine Lage nach. Du biſt jung, aus angeſehener Familie, und obgleich arm, könnteſt du eine glänzende Bahn wandeln, wenn du deinen Glauben ändern wollteſt.““ 5 b
„Ich werde gemeiner Soldat bleiben,“ antwortete Georg.
Lord Rawdon drükte dem jungen Korporal die Hand und blikte ihn voll Theilnahme an.„Ich kann dich nicht aufrüken laſſen,“ fuhr er langſam fort, „man würde mir ein Verbrechen daraus machen; aber ich kann dir Gelegenheit geben, dich auszuzeichnen und die Fanatiker der Armee zum Schweigen zu bringen. Noch dieſe Nacht ſende ich einen erpreſſen Voten mit wichtigen De⸗ peſchen ab, und Alles wäre verloren, wenn ſie den Amerikanern in die Hände fielen. Es iſt eig Geheimniß ſelbſt für meine Truppen; das Land iſt voll In⸗ ſurgenten, welche es beſezt halten; ihre Spione dringen bis in mein Zelt, es wimmelt von ihnen im Lager, und ſie vervielfältigen ſich unter meinen Schrit⸗ ten. Mein Vote braucht eine ſichere Bedekung, einen Begleiter, den nichts einſchüchtert. Georg, ich habe dich auserwählt, dich allein, hörſt du? Es iſt ein ſehr gefährliches Stük,“ ſezte der General nach einer Pauſe hinzu.
„Ich nehme es mit Freuden an,“ entgegnete Georg. N Als die von ihren Ausflügen den Tag über ermüdeten Soldaten unter den Zelten in tiefem Schlafe lagen, verließ Georg Fitzgerald mit ſeinem Ge⸗


