Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
434
 
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Meine Mutter, murmelte der Jüngling mit bewegter Stimme, du hier? Kommſt du, um mich vor meiner Abreiſe zu ſegnen?

5 de Georg Fitzgerald, ich wollte dich noch einmal ſehen ich fühlte bas Bedürfniß, dich zu ſegnen unter dieſen durch Feuer und Schwerdt ver⸗ ſtümmelten Säulen, in dieſen öden Hallen, welche deine Vorfahren bauten, und welche ihr Schwerdt zu vertheidigen wußte. Vor dieſem Altare, wo deine Väter beteten, auf dieſen ſchallenden Steinplatten, unter denen die Häupter des Landes ruhen, unter dieſen, wie das Vermögen deiner Familie, mein Sohn, verfallenen Kreuzgängen, wollte ich einen feierlichen Schwur von dir fordern. Schwöre mir, nie weder deinen Glauben noch dein Vaterland zu ver leugnen; ſchwöre mir, als Katholik zu ſterben!

Der Wind, der harmoniſch in den gewaltigen Eichen des Verges rauſchte, trug unter die Hallen der alten Abtei aus der Ferne den Refrain des Na⸗ tionalliedes.

Georg kniete vor dem verlezten Altare, auf welchem die bleichen Strah len des Mondes ſpielten; ein grünliches, phantaſtiſches Licht fiel durch die ho ben Spizfenſter herein; zehn verloſchene Generationen ſchlummerten unter dem Pflaſter der Kirche; die weißen rieſigen Bildſäulen der Heiligen und Könige ſtanden zwiſchen den verſtümmelten Pfeilern. Der junge Soldat ſchwur den Eid, welchen ihm ſeine Mutter vorſagte mit gefaltenen Händen und geſenk tem Haupte.

Plözlich miſchte ſich das ferne Rollen der Trommel in das verworrene Abendgeräuſch.

Hörſt du? fragte Georg erbleichend. f

Ich höre es wohl, entgegnete leiſe mit gepreßtem Herzen die ar⸗ me Wittwe.

Der junge Fitzgerald faßte die kalte runzelige Hand ſeiner Mutter, zog ſie halb bewußtlos, unter die Vorhalle und ſagte:Das Schiff, das mich hinwegtragen ſoll, ſchaukelt ſich da unten wie ein Seevogel, und er zeigte hinab auf die Bucht mit den vom Monde beleuchteten Wogennoch kurze Zeit und wir fliehen mit dem Winde davon. Lebe wohl, meine gute Mutter, und bete für deinen Sohn, wenn er fern von dir in den Savannen Ameri ka's kämpft.

Ja, ich werde für dich beten, mein Georg, entgegnete die arme in Thränen zerfließende Mutter,und zu den verehrten Gräbern der Heiligen wallfahrten. Ich will auf dein junges Haußt durch Faſten und Almoſen den Seegen des Herrn häufen, den Himmel um deine Rükkehr beſtürmen und die Stufen dieſer alten Altäre die verlaſſen ſind, wie ich, mit meinen Knieen aus höhlen.

Lebe wohl! ſprach der junge Irländer mit erſtikter Stimme.

Ach, mein Oott! ſo bald? Mir ahnet Vöſes... Fitzgerald, aus Barmherzigkeit nur noch einen Augenblik, einen kurzen Augenblik! Ich habe bich noch nicht geſegnet. 17

Der Tambour ſchlug auf den Höhen von Sligo die Retraite.

Lebe wohl, lebe wohl! rief Georg nochmals, riß ſich aus den Armen ſeiner Mutter los und eilte den felſigen Abhang nach der Küſte zu hinab. Die arme Mutter blieb auf einem Druidenſteine ſo lange ſtehen, als ſie im