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geſucht zu ſein. Die Hunde liegen in dieſen tragbaren Kerkern ganz ruhlg, die Kazen aber machen einen Lärm, als ahnten ſie ihr Schikſal. Ihr Fleiſch, wenn ſie gemäſtet ſind, ſteht in hohem Anſehen und findet ſich auf den Ta feln der Reichſten. Die Ratten dagegen überläßt man den Armen. Der Ratten— händler kommt auf den Markt mit ſeiner Stange, woran mehrere Duzend dieſer Thiere hängen, welche man wie Lerchen aufgeſpießt hat. Der Anblik kann einem Reiſenden, der noch an die europäfſchen Magenvorurtheile gewöhnt iſt, nicht ſehr appetitlich vorkommen. Indeſſen findet die chineſiſche Gaſtrono— mie auch ihre Strafe. Außer den Indigeſtionen, vor denen der Thee nicht immer ſchüzt, ſollen auch die Hunde dieſe Hundeeſſer haſſen und verabſcheuen. Sie kennen die Gourmands, welche es beſonders auf Hunde abgeſehen haben, am Geruche, ſammeln ſich um ſie und verfolgen ſie mit ihren Viſſen. Seltſa— mer Widerſpruch der menſchlichen Gebräuche! Für gewiſſe Völker iſt der Hund ein Freund, für andere ein Gott und für die Chineſen eine Lekerei.
Einiges aus Japan, aus den neueſten holländiſchen Schriften. 6
Die Japaner lieben die theatraliſchen Vorſtellungen ungemein, aber ihre Orcheſterdirigirenden ſind gewöhnlich blind und gehören einer Art Brüder ſchaft an. Die Damen, welche das Theater beſuchen, machen eine Ehrenſache daraus, während der Dauer der Vorſtellung zwei- bis dreimal zu wechſeln, um ihre reiche Garderobe zu zeigen. Sie laſſen ſich deshalb von ihren Kam⸗ mer frauen begleiten, welche Alles zu dieſem großen weiblichen Werke bei ſich haben.— Die Japaner ſind auch geſchikte Uhrmacher, und die Uhr, welche 1825 der Kaiſer zum Geſchenk erhielt, kann, nach Maylan, mit den kom- plicirteſten Werken der deutſchen Kunſt wetteifern. Sie iſt fünf Fuß lang und drei breit, und ſtellt eine ſchöne Landſchaft mit einer goldenen Sonne vor. Wenn die Uhr ſchlägt, bewegt ein Vogel die Flügel, eine Maus kommt aus einem Loche und klettert leicht über einen Verg hinweg, während eine Schild— kröte langſam herumkriecht und die Stunden auf dem Zifferblatte anzeigt.— Die Japaner haben ein merkwürdiges und in Europa unbekanntes Talent, Zwergarten von den größten Gewächſen zu erhalten. Maylan verſichert, mit eigenen Augen ein drei Zoll langes und nur einen Zoll breites Käſtchen geſe— hen zu haben, worin ſich eine Fichte, ein Bambus und ein Pflaumbaum, der leztere mit Blüten bedekt, befanden. Es wurde dem holländiſchen Gouverneur für 100 Gulden zum Kaufe angeboten.
Die Tauben in Indien.
Die Zahl der Tauben in Lucknow, der Neſidenz des Königs von Oude, iſt außerordentlich groß, und dieſe Vögel ſind dort der Gegenſtand einer beſon— dern Aufmerkſamkeit, mehr wegen ihrer Schönheit, als wegen einer beſondern Heiligkeit. Auf allen Paläſten, beſonders den Zenanas, ſieht man dleſe Vögel in Scharen von ſechzig und hunderten, jede verſchiedene Art wird beſonders gehalten. Kleine Knaben find angeſtellt, welche ſie, zu verſchiebenen Schwen⸗


