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kungen im Fliegen abrichten müſſen; ſizen ſie, ſo halten ſie ſich in gewiſſen Gruppen zuſammen; auf ein durch Pfeifen gegebenes Zeichen fliegen ſie fort, empor, herunter oder kehren in ihren Schlag zurük, je nach dem Signale. Wenn ſie ſich ſchnell umdrehen und vor der Sonne ſich befinden, macht das Schillern der verſchiedenen Farben ihres Halſes eine prachtvolle Wirkung; ſezen ſie ſich auf einem Felde nieder, ſo bilden ſie einen Teppich von den glän— zendſten Farben und der reichſten Zeichnung. Die Unterhaltung, welche dieſe Tauben gewähren, hat für die Bewohner des Landes ſo großen Reiz, daß man erzählt, mehrere Fürſten deſſelben hätten ſich auf ihren Reiſen von ihren Frauen und ihren Tauben begleiten laſſen.
Die drei Rieſinen in Reims.
Drei Rieſinen machten ſich auf der lezten Meſſe zu Reims die Gunſt des Publikums ſtreitig, und überboten einander in allen möglichen Lokmitteln. Es blieb indeß nicht bei der Konkurrenz und der Eiferſucht der großen Damen, der Haß ging auch auf ihre Leute über, und zwei der Ausrufer an den Buden geriethen in einen Wortwechſel.„Meine Rieſin iſt größer als die deinige,““ ſagte Gontard zu Chamaillot.„Das iſt nicht wahr,“ erwiderte dieſer,„und übrigens iſt meine Rieſin unendlich ſchöner als die deinige; ſie wiegt dreihun— dert Pfund, barfuß.“—„Erlogen!“—„Nicht erlogen.“—„Deine Rieſin hat ein freches Ausſehen, die meinige iſt die Unſchuld und Züchtigkeit ſelbſt.“ So ging es fort, und die beiden Gegner begaben ſich in ein Trinkhaus, ohne Zweifel nach dem alten franzöſiſchen Sprichworte, daß die Worte beſſer von der Zunge gehen, wenn man ſie anfeuchtet. Hier wurde der Streit fortgeſezt, und endlich mußte man Gontard, bewußtlos, blutend und voll blauer Fleke forttragen.
Flauheit der Frauen.
Früher fehlte es den Engländern in Oſtindien an Frauen, und es fan— den ſich genug Europäerinen bereit, dieſem Mangel abzuhel fen. Jezt iſt es aber mit dieſer Heirathsſpekulation nichts mehr, und ein engliſcher Offizier ſchreibt aus Oſtindien:„Es kamen neulich acht Eu ropäerinen an, aber nur eine konnte einen Mann bekommen. Der indiſche Markt iſt überfüllt und es wird lange dauern, ehe der Ueberfluß etwas abnimmt.“
Vermehrung des Reichthums in England.
In der lezten Sizung der Londoner ſtatiſtiſchen Geſellſchaft las der Vize— präſident, Oberſtlieutenant Sykes, eine Abhandlung über die Zunahme des Reichthums und der Ausgaben der verſchiedenen Klaſſen der Geſellſchaft vor, deren Reſultat folgendes iſt:
Das in den Jahren 1852, 1855 und 1834 auf Luxusgegenſtände, wie Reit⸗ und Wagenpferde, Wagen, Domeſtiken, Hunde, Spiele, Wetten oc. verwendete Kapital belief ſich auf 405,944,000 Pf., was ſeit 1820 eine Ver— mehrung von 61,667,000 Pf. St. gibt.


