Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
428
 
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Tenga Umd la bondad, caballero, di favorecer a un pobre estu- diante, embjador del hambre.

Er ſcheitert höchſt ſelten bei einem ſolchen Angriffe, wobei er die kühn⸗ ſten Figuren der Rhetorik zur Hilfe ruft. f

Der Student muß einen beſondern Anzug tragen, der aus einem Roke, einem Mantel und einem dreiekigen Hute alles von ſchwarzer Farbe, be ſteht. In der Form des Hutes liegt die ganze Geſchichte des Lebens des Stu denten, und der Beobachter kann daraus das ganze Privatleben des Trägers erkennen. Iſt der Hut gebürſtet und hat er nicht ganz den Glanz und die Spuren ſeiner urſprünglichen Geſtaltung verloren, ſo iſt der Beſizer deſſelben ſicher einer jener gutmüthigen Studenten, deren kurzer Verſtand nur den Sinn ihrer Bücher zu errathen ſucht und die von ihren Kameraden wegen des pünktlichen Veſuchs der Vorleſungen, wegen ihrer geringen Zuneigung zu den Kaffehäuſern und ihres Abſcheues vor dem Spiele, ausgelacht werden. Nach dem Maaße, in dem der Hut ſich von den Regeln der Reinlichkeit und von der erſten Form entfernt, nach der Quantität und der Farbe der Fleken, die ihn zieren und der Seltſamkeit der geometriſchen Figuren, welche er dem Blike darbietet, kann der Beobachter auf die Zahl und Art der Laſter des Eigen thümers ſchließen. Auch der Mantel kann koſtbare Fingerzeige geben durch die Zahl und Größe ſeiner Löcher und die mehr oder minder bedeutende Abwei⸗ chung von der urſprünglichen Farbe, welche von der Berührung mit den äu⸗ ßern Gegenſtänden zeugt. Der Anzug, den der Student beim Beginne ſei⸗ ner Studien kauft, dient ihm bis zum Ende. Er hat in der Wahl der Stoffe freie Hand, wenn er ſich nur an die vorgeſchriebene Farbe hält. Der faſhio nable Student(ihre Zahl iſt nur gering), wählt ſich ein feines mit Sammet beſeztes Tuch; der Juſtemilieu-Student trägt ordinäres Tuch, und der Sup⸗ penſtudent iſt mit grober Sarſche zufrieden. Wahrſcheinlich, um die Lumpen, womit er bedekt iſt, recht abſtechen zu laſſen, befleißigt ſich der Student einer allgemeinen Höflichkeit und der größten Reinheit der Sprache. Er gibt je⸗ dem, mit dem er ſpricht, den Titel: caballero, und läßt ihn nie gehen, ohne ihm zu ſagen: ich küſſe Ihnen die Hand. Die Noth hat ihn ſehr ſtark in ſparſamem Haushalte gemacht und das Budget ſeiner Ausgaben kann des halb unmöglich beſchnitten werden. f 5

In Folge eines klugen Konzentrationsſyſtems überſteigen die Koſten des Unterhalts und der Wohnung eines Studenten ſehr ſelten die Summe von anderthalb Real(5 Gr.) den Tag. Für Kleidung gibt er nichts aus als einige Realen zum Ankauf einiger Zeugſtüke, womit er zu Zeiten die ſchwa⸗ chen Seiten ſeines Mantels unterſtüzt, der von allen ſeinen Kleidungsſtüken am meiſten leidet, da er ihn außer dem Hauſe ſtets, auch bei der größten Hize trägt. Troz dem geringen Anſehen, in dem er ſteht, erfreut er ſich doch einiger ihm von der öffentlichen Meinung geſtatteten Vorrechte: er darf in al⸗ len Geſellſchaften und Zuſammenkünften den Hut aufbehalten, auf die Mild thätigkeit des Nächſten auf öffentlicher Straße Anſpruch machen und wird nie wegen Schulden verfolgt. Der leztere Vortheil nüzt ihm wenig, denn man gibt ihm ſelten Kredit.

Er übertrifft alle ſeine Kollegen in Frankreich und Deutſchland in den Fehlern, welche mit dem Aufbrauſen der Jugend zuſammenhängen; er hat den