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ſchwleg ich? Warum ſagte ich nicht, ich ſei gebunden, warum geſtand ich meine Neigung nicht, indem ich es ſagte?— Das Vewußtſein, ſo geliebt zu ſein, würde Ines getröſtet haben. So nahm ich ihr Alles, Hoffnung und Troſt. Ach! ich hatte viel, viel Muth und viele Schwäche. Ich fürchtete mein eige— nes Herz und brach dadurch das ihrige; mein Wort mußte mir heilig ſein, aber hätte ich ſie nicht tröſten, hätte ich ihr nicht ſagen müſſen, daß wir Beide gleich unglüklich wären?— Arme, arme Ines, du hätteſt ein ſanfteres Schik⸗ ſal verdient!“ N
„Ja wohl, arme Ines,“ ſagte Frau von R.,„aber unſeren Streit wollen wir jezt wenigſtens nicht fortführen. Es gibt Fälle, wo allein unſer Gewiſſen uns ſagen kann, was das Rechte ſei, Menſchen können es nicht. Der arme Oberſt dient als Veiſpiel dazu; ich denke, wir Alle würden ihm gera— then haben, ſeine Ines zu heirathen; und wäre es gleichwohl moraliſch rich⸗ tig geweſen, würde er ſein Glük mit Ruhe haben genießen können?— Wohl dem, der in ſolchen Fällen die Entſcheidung nicht hat, ſei es in fremder, ſei es in eigener Sache!—““ B.
Der ſpaniſche Student.
Der ſpaniſche Student, der böchſtſelten einer wohlhabenden Familie angehört, muß, um zu leben und die Vorleſungen zu bezahlen, mancherlei vornehmen. Stolz und Eigenliebe ſind keineswegs ſeine vorherrſchenden Ei— genſchaften, und man ſieht ihn deshalb als Kammerdiener in die Dienſte eines vornehmen Herrn treten und wenn ihm eine ſolche Stelle in Folge der Kon— kurrenz entgeht, ſo ſteigt er, ohne ſich lange zu bedenken, zu den Verrichtun⸗ gen eines Bedienten, Laſtträgers ꝛc. herab, wobei er ſich nur einige Stunden frei behält, um die Vorleſungen beſuchen zu können. Die Studenten, welche aus den niedrigſten Klaſſen ſtammen, bilden eine beſendere Korporation unter der Benennung Suppenſtudenten(estudiantes de la sopa); ſie tra⸗ gen als Abzeichnung einen hölzernen Löffel in der Hutſchnur, kommen zur Eſſenszeit zuſammen und holen ſich ſingend und auf ſchlechten Guitarren klim⸗ pernd ihre Almoſen, Suppe dc. an den Kloſterthüren. Mehrere von ihnen haben Geld verbrauchen es aber lieber im Spiele und in Ausſchweifungen aller Art, als daß ſie dieſem ſchmuzigen Handwerke entſagten. Der Suppen⸗ ſtudent kann als ſolcher die öffentliche Mildthätigkeit in Anſpruch nehmen und er hat dabei gewöhnlich Glük, denn er wendet eine Beredſamkeit und Ge⸗ wandtheit auf, welche die Bettler„ſeine Kollegen, nicht beſizen. Man müßte ein mit dem aàes triplex des Horaz gepanzertes Herz haben, wollte man ſei⸗ ner rührenden Vitte widerſtehen, wenn er in edler und anmuthiger Haltung herantritt, den Zipfel ſeines Mantels auf die Achſeln zurükwirft, ſich in Po⸗ ſitur ſezt und Einen anredet:
Möge der Kaiſer des Reichthums einen Tropfen Gold auf den König der
Armuth fallen laſſen!
„Si podria el imperador de las riquezas dijar cear una lagrima de pro sobre el rey de la misperia!“
oder
Haben Sie die Güte, Herr, einem armen Studenten, dem Geſandten des Hungers, etwas zu reichen!


