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ſah ich den Oberſten mit ihr tanzen; noch jezt iſt dieſer Anblik mir gegen⸗ wärtig, der jeden Maler entzükt baben würde. Er ſah, ich möchte ſagen ſchwermüthig zufrieden aus, Fräulein von L. ſtrahlte von Glükſeligkeit, ihr feiner Hals war aufgerichteter, ſie ſah ſtolz und glüklich aus.

Ich hatte mich den Damen vorſtellen laſſen und unterhielt mich verſchie dentlich mit Fräulein von L., was nicht dazu diente, mich zu entzaubern? ihre Stimme, ihre Unterhaltung waren anmuthig wie ihre Geſtalt. Die Marquiſe, die leidend ausſah, hatte ſtolze Geſichtszüge und war ſehr ſchweig⸗ ſam, ſie ſchien nur Auge und Ohr für die Tochter zu haben. Ihre Blike folgten dem Oberſten ebenfalls unabläſſig, und ſie ſchien mit gleicher Aengſt⸗ lichkeit die Leidenſchaft der holden Ines und den Erfolg zu beobachten, den dieſe zu erwarten habe. In den höhern Zirkeln waren beide Damen der Ge⸗ genſtand großer Aufmerkſamkeit, und Fräulein von L. war von BVewunderern ſtets umringt. Man ſprach viel von ihrer Neigung zu dem Oberſten, nur nicht in ſeiner Gegenwart. Sein Benehmen blieb ſich ſtets gleich, er war ru⸗ hig, ernſt, in jeder andern Beziehung mittheilend, aber fröhlich war er nicht. Eines Morgens begab er ſich mit mir zu einem Juwelier, um beſtellte Ge⸗ genſtände zu berichtigen und noch andere zu kaufen. Im Laden angelangt, fanden wir dort die Marquiſe und ihre Tochter, welche wahrſcheinlich zu dem prächtigen Balle, der am Abende Statt haben ſollte, noch Einkäufe machen wollten. Der Juwelier ließ uns kaum Zeit, die Damen zu begrüßen und holte mehrere Schmukkäſtchen hervor, auf deren Deken, nach des Oberſten Anweiſung, der Name:Marie in geſchliffenen Stahlſtiften geſezt war, was ſich in der That ſehr hübſch ausnahm. Fräulein von L. beſah die Käſt⸗ chen, und ihre feine Hand auf eines derſelben legend, ſagte, ſie leiſe: Marie? Ich kann verſichern, daß mir der Athem verſagte, ich blikte auf den Ober⸗ ſten, der die Farbe wechſelte, dann aber, den Kopf abwendend, mit anſchei nend ruhiger Stimme ſagte, deren Beben vielleicht nur mir bemerklich war: Es iſt der Name meiner Braut. Ich dachte, Fräulein v. L. werde umſin⸗ ken, und ich muß eine ſehr auffallende Bewegung, ihr zu helfen, gemacht ha⸗ ben, denn ſie bewegte die Hand wie ablehnend gegen mich, obwohl ſie mich eine Sekunde anſah. Ihr Geſicht war todtenbleich, ſie verſuchte zu lächeln, aber es ſchien mir, als ob ihre Augen, dieſe himmliſchen Augen, die ich zum lezten Male ſah, wie von einem Flor verſchleiert wären. Der Oberſt, der mit dem Juwelier geſprochen zu haben ſchien, gab mir einen Wink und wir verließen, die Damen ehrfurchts voll grüßend, den Laden. Nie, nein, niemals habe ich fremdes Leid tiefer empfunden. Die Marqulſe war eben ſo bleich wie ihre Tochter, und es ſchien mir, als ich die Thür ſchloß, als ob ſie dieſer ihre Unterſtüzunz anbiete. Schweigend ging ich neben dem Oberſten her, der gleichfalls ſchwieg und raſcher ging als gewöhnlich. Endlich fing er ein Ge⸗ ſpräch über die Eigenthümlichkeit Londons an, und da er einer der geiſtreich⸗ ſten Männer iſt, ſo bekam dies bald ein Intereſſe, welches mich unwillkürlich zerſtreute. Zu jeder andern Zeit würde ſeine Verſchloſſenheit ohne Zweifel eine Spannung unſeres Verhältniſſes herbeigeführt haben, hier war es möglich, daß dies deſſenungeachtet in gleicher Herzlichkeit fortbeſtehen konnte, denn man kam, im eigentlichen Sinne des Worts, nicht zur Beſinnung. Das Be⸗ ſehen aller Merkwürdigkeiten, Veſuche und Feſte ohne Zahl nahmen die Zeit