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gibt, in welchen der Mann nach ſeiner Heimkehr ſeine Frau und Kinder um⸗ armt; man nennt ſie: the kissing families(küſſende Familien). In den Au⸗ gen des Mannes iſt die Frau keine Gefährtin, ſondern eine Handelsgenoſſin, die das von ihm durch den Handel 4 Geld für ſeine Wohlfahrt theil⸗ weiſe wieder ausgibt.

Aus der ſizenden und zurükgezogenen Lebensweiſe der amerikaniſchen Frauen und aus den klimatiſchen Verhältniſſen erklärt ſich die phyſiſche Schwä⸗ che ihres Geſchlechts. Sie verlaſſen das Haus ſelten oder nie, machen ſich keine Leibesbeweg ung, leben von leichter Nahrung und haben meiſt viele Kinder; es darf daher nicht verwundern, wenn ſie vor der Zeit alt werden und jung ſterben.

Solche Gegenſäze bildet das Leben beider Geſchlechter in Amerika; das der Männer iſt bewegt, abenteuerlich, beinahe fieberhaft, das der Weiber trau rig und eintönig. Gleichförmig verfließt es bis zu dem Tage, wo der Mann ſeiner Frau ankündigt, daß er Bankerott gemacht habe. Dann wird aufgebro chen, und dieſelbe Exiſtenz anderswo aufs Neue begonnen.

Jede amerikaniſche Familie ſchließt daher zwei weſentlich verſchiedene Wel ten in ſich: die eine iſt ganz materieller, die andere ganz moraliſcher Natur. Wie innig auch das Verhältniß ſein mag, das beide Gatten vereinigt, ſtets bemerkt man die Schranke, welche den Körper von der Seele, die Materie von der Intelligenz ſcheidet.

Wer ein Mädchen verführt, ladet dadurch die Verpflichtung auf ſich, ſie zu heirathen. Unterläßt er dies, ſo erfährt er allenthalben die Mißbilligung der Welt, und wird aus jeder Geſellſchaft zurükgewieſen.

Wenn in England ein junger Menſch der Ariſtokratie ein Mädchen des Mittelſtandes verführt, ſo macht dies wenig Aufſehen, und die große Welt verzeiht ihm leicht den Schaden, den er in der untern Klaſſe angerichtet hat. Ganz anders verhält es ſich in einer Geſellſchaft, wo alle Stände gleich ſind, und ſich kein Rang über den andern erhebt.

Selten legen in dieſem Fall die Eltern den Mädchen etwas in den Weg; höchſtens machen ſie einige Einwendungen, die jedoch durch eine kleine Beſtändig⸗ keit bald überwunden werden. Die Geſellſchaft würde einen Vater ſehr tadeln, der den Wünſchen ſeines Kindes längere Zeit widerſtände. Man darf ſedoch ja nicht wähnen, es ſei in dieſem Lande der Freiheit die väterliche Gewalt ſehr beſchränkt; das Geſez gibt den Eltern das Recht der Enterbung im wei⸗ teſten Sinn; allein ſie machen unter ſolchen Umſtänden keinen Gebrauch davon, weil die Gebräuche und Sitten mächtiger ſind als die Geſeze, und erſtere die freie Wahl bei den Heirathen beſchüzen.

Zuweilen findet man junge Leute, welche vermöge eines großen angeerb ten Vermögens und einer feinen Erziehung ſich in Intriguen und Galanterien einlaſſen; ſie ſind jedoch ihrer zu wenige, um ſchädlich zu ſein, und fällt es ihnen je bei, den Frieden einer Haushaltung zu ſtören, ſo verbündet ſich die ganze amerikaniſche Geſellſchaft gegen ſie, um den gemeinſchaftlichen Feind zu vernichten. Hieraus erklärt es ſich auch, warum unverehlichte Amerikaner, welche Vermögen haben, ſelten in den Vereinigten Staaten bleiben, vielmehr lieber nach Europa gehen, wo ſie intellektuelle Männer und verdorbene Wei⸗ ber genug finden.