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der erwähnten naͤhern Umſtaͤnden bekannt, und ich ſtellte mich ohnge führ hald elf Uhr mit dem Inſpektor und vier Mann dort ſo auf, daß ich Despreaux bei ſeinem Vorübergehen erbliken konnte. Schlag elf erſchien er und ſtieg mit ſeinen Verbündeten die Treppe hinauf. Die leztern mußten warten bis er einige Zeit oben zugebracht haben würde; dann wollte er unter einem Vor⸗ wande die Thür öffnen und ſie einlaſſen. Nach Verlauf einer halben Stunde ließ er ſie wirklich ein; wir folgten ihnen, und da der Inſpektor mit einem Hauptſchlüſſel uns die Thür öffnete, traten auch wir ein und ſtellten uns ſo auf, daß wir nicht geſehen werden konnten. Wenige Minuten darauf hörten wir von Emma einen lauten Schrei und die Stimme des alten Monette, der gar gräßlich„Mörder!“ und„Diebe!“ rief. Wir ſtürzten hinein und ſahen das arme Mädchen am Voden liegen, während einer von den Spießgeſellen be⸗ müht war, ihr Geſchrei durch einen Knebel zu erſtiken oder ſie zu erwürgen; obgleich er jenes nur beabſichtigte, ſo hätte doch dieſes bald erfolgen müſſen. Den alten Mann hatte man aus dem Bette geriſſen, und Despreaux ſtand über ihm mit einem Meſſer und ſchwur, daß ſeine lezte Stunde gekommen ſei, wenn er ihm nicht den Ort anzeige, wo ſein Geld und ſeine Koſtbarkeiten verborgen lägen. Als Despreaux uns erblikte, wandte er ſich Anfangs zum verzwelfeltſten Widerſtande; da aber ſeine Genoſſen ihn im Stiche ließen, ergab er ſich drein und ließ ſich binden. Er bedauerte nur, daß wir nicht eine halbe Stunde ſpäter gekommen wären, wo wir gewiß einer ſolchen Unruhe hätten überhoben ſein können. Ich dagegen verſicherte, wir wären im Gegentheil ſehr entzükt, in ſeiner ſo werthen und amüſanten Geſellſchaft zu ſein, und hegten die frohe Hoffnung, daß uns dieſelbe noch für mebrere Jahre zu ſtatten kom⸗ men ſolle. Ueberdieß erſuchte ich ihn um die Ehre, ihn nach den Zimmern be⸗ gleiten zu dürfen, welche in Erwartung ſeines Beſuchs in Vereitſchaft geſezt worden wären.
Despreaux wurde kurz darauf wegen dieſes Einbruchs in Unterſachung ge⸗ zogen; dieſe eine Sache ſchon war zu ſprechend, um noch irgend einen Zweifel übrig zu laſſen hinſichtlich der vielen Gaunerſtreiche, die auf ihm laſteten. Er wurde zu lebenslänglicher Galeerenſtrafe verurtheilt und iſe jezt in Breſt, um ſie auszuhalten. Emma hat ſich vor ein Paar Wochen an einen achtungs⸗ werthen Mann verheirathet, und der alte Monette benahm ſich bei dieſer Ge⸗ legenheit weit freigebiger, als man irgend hätte erwarten ſollen.— Alle kön⸗ nen indeß froh ſein, daß jener Verbrecher jezt in eiſernem Geſchmeide einher⸗ geht, ſonſt wäre er gewiß der Mann, den Neuvermählten einen Beſuch zu machen.“— In dieſem Augenblik hörten wir im Gebüſch hinter uns ein kur⸗ zes Gelächter und das Rauſchen eines Eilenden. Wir Bankbeſizer ſahen uns an aber es war finſter geworden und mir kam die Stelle jezt unheimlich vor. —„Was war das?“ fragte Einer den Andern— wir konnten uns keine Ant⸗ wort geben, fanden ſie aber zwei Tage nachher in der Zeitungs⸗Nachricht: „Der berüchtigte Despreaux hat Gelegenheit gefunden, von den Galeeren zu entkommen.“
Wer iſt der wahre Robinſon?
Man lieſt in den(vorlängſt in Frankreich erſchienenen) ſehr beliebten Aunales des Voyages eine merkwürdige Notiz über einen Spanier, welcher
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