Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
388
 
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gegen die Mitte des 16ten Jahrhunderts auf eine wüſte Inſel verſchlagen wurde, und auch wohl der Typus aller Robinſone geweſen ſein dürfte; deſ⸗ ſenungeachtet aber glaubt man insgemein, daß der Aufenthalt eines Schotten, Namens Selkirk, auf der Inſel Juan Fernandez, unweit der oſtlichen Küſte Südamerikas, wo man ihn im Jahr 1709 antraf, den Stoff zu dem Robinſon von Daniel Defoe geliehen habe, welcher zuerſt im Jahr 1719 in London ans Licht trat, und man dürfte annehmen, daß das viel ältere Abenteuer des Spaniers, welches in der Geſchichte der Incas von Garcilaſſo de la Vega er⸗ zählt wird, denen, welche das Schikſal Selkirks auf romantiſche Weiſe ge⸗ ſchildert haben, unbekannt war. Wie dem auch ſei, dieſer Spanier hat ſeiner Juſel, wo er ungleich größeres Elend ertrug, als Robinſon, ſeinen Namen gegeben. Der Unglükliche hieß Pedro Serrano. Das Eiland, welches nur eine kleine Meile im Umfang hat, iſt von Sandbänken umgeben, welche von den Seefahrern, augenſcheinlicher Gefahr wegen, mit großer Vorſicht gemieden werden; es iſt übrigens unfruchtbar und trägt keinen Baum. Serrano, wel cher durch Schiffbruch an dieſem troſtloſen Orte geſtrandet war, fand daſel bſt zu ſeiner Hauptnahrung Schildkröten, welche er mit einem Meſſer abſchlach⸗ tete, das ſich noch zu gutem Glüke in ſeiner Taſche fand. Um ſich des Son⸗ nenbrandes zu erwehren, und Kühlung zu ſuchen, pflegte er öfters in der See unterzutauchen. Mit dürrem Meergras, Fiſchgräten und Muſchelwerk machte er Feuer an. Sein Körper wurde ſo rauh und haarig, daß er eher ei nem Bären als einem Menſchen glich. Nach Verlauf von 5 Jahren führte ihm ein gleiches Schikſal einen Unglüksgefährten zu. Dieſes traurige Begebniß hatte gleichwohl etwas Lächerliches: Beide hielten einander für den Teu fel, und ſprachen, unter behutſamer Annäherung, mit lauter Stimme das Credo des Katechismus, um Faſſung zu gewinnen, und gegenſeitig aufs Reine zu kommen. Erſt nach 4 Jahren kam ein Schiff ſo nahe zu der Inſel, daß man ihrer beiden Bewohner gewahr wurde. Man nahm ſie an Vord, wo der zweite dieſer unglüklichen Inſulaner bald nachher ſtarb. Serrano aber kam glüklich nach Spanien, wo man ihn dem Kaiſer Karl V. in eben dem Zuſtande vor⸗ führte, wie man ihn gefunden hatte. Vom Mitleid gerührt, ſezte ihm dieſer Monarch einen Gnadengehalt von 800 Dukaten aus welchen er nicht lange genoß. Dies iſt wohl ohne Zweifel die erſte Grundlage des Romans von Ro binſon, allein die Naktheit der Inſel, und die Unmöglichkeit, in der er ſich befand, etwas aus dem Fahrzeuge, mit welchem er Schiffbruch litt, zu retten, beſchränkte ihn auf ein rein thieriſches und bejammernswerthes Leben. In Folge dieſer beiden Umſtände konnte er alſo jenem Roman nicht ſo ganz zum Biloſtoffe oder zur Vorlage dienen, noch eine wirkliche Probe von dem Erzeug⸗ niß des durch äußerſte Noth angeregten und geſchärften Erfindungsgeiſtes und der Aus dauer eines Mannes geben, welcher zwar völlig ſich ſelbſt überlaſſen, ledoch aber mit einigen Hilfsmitteln ſchöpferiſchen Fleißes ausgerüſtet war.

Geiſtes gegenwart.

Vonaparte fiel bei einer Revüe auf dem Carrouſelplaze vom Pferde, was ihm mehrmals begegnete, denn er ritt wie ein verwegener Huſar. Bei dieſem Falle überreichte ihm ein Schüler der polytechniſchen Schule ſeinen