Jahrgang 
Band 1 (1835)
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ganz allein vier Flaſchen Rum, und er konnte ganz gut nach Hauſe gehen. Einer der Diener des Baſch Mamluk verlangte, nachdem er in einer Stunde einen halben Krug voll Wein ausgetrunken hatte, worin zweiundzwanzig Fla⸗

ſchen enthalten waren, noch etwas Rum.

2 2.

Rorreſponden!.

Wien(3. Juni).Nur wi⸗ zig! das iſt das Feldgeſchrei aller Literaten. Wiz iſt jezt ein ſehr ge⸗ ſuchter Artikel, deshalb kommt er auch Vielen ſotheuer zu ſtehe n. Oh⸗ ne Wiz darf gar nichts mehr geſchrie ben werden. Saphir iſt ein moraliſcher Dr. Jenner, er impft ſchon den Ki n⸗ dern den Wiz ein, die geimpften wer den dann auf einige Zeit ang eſtekt, und ſchwizen das Gift in erkleklichen Doſen in allen Journalen nach und nach aus. Nur Schade, daß die Meiſten der Inokulirten Narben davontragen, die ihnen Andere, um das unang e⸗ nehme Juken zu vertreiben, kra⸗ zend beibringen. So laborirt jezt Hr. Turteltaub an den Folgen dieſer Wiz⸗Manie. Dieſer neueſte Sprößling auf dem Miſtbeete der Literatur iſt in doppeltem Sinne des Wortes der Schatten des wizigen Saphir's. Wo Dieſer geſehen wird, kann man Mil⸗ lionen verwetten, auch Jenen zu er⸗ bliken, Turteltaub hat ſich's nun ein⸗ mal vorgenommen, in die Fußta⸗ pfen Saphirs zu treten, und des⸗ halb iſt er beſtändig auch hinter ihm ber. Seine eben ans Licht getretenen: Freskobilder möchten gerne, der Idee nach, den Lebensbildern unſers genialen Caſtelli, der Form nach, dem humoriſtiſchen Styl Saphirs ähnlich ſcheinen, doch, du lieber Himmel:Es ginge wohl, aber es geht nicht! Herr Glasbrenner, deſſen bereits in Nro. 42 dieſer Blätter ehrenvoll

Leitung der Novitäten und

Anſichten. Erwähnung geſchah, ſpukt bereits im Sammler als Kritiker. Schönn's melancholiſcher Schuſter war ſo glük⸗ lich, durch dieſen großen Mann ve r⸗ ewigt zu werden. Beſonders ärgert ſich der Gute über die Namen der Per ſonen in dieſem Stüke, die zugleich nomen et omen bezeichnen. Da hat er nun geradezu unrecht, denn eben ſo ominös iſt ja ſelbſt ſein eigener Pſeu⸗ do-Name:Brenng las. Ein Brennglas in natura iſt ein von ſphäriſchen Oberflächen begränztes Mittel, der unnatür⸗ liche Brenng las aber iſt in allen Sphären des Wiſſens oberfläch⸗ lich undmittel mäßig; das Brenn⸗ glas zündet mit geraubten Strahlen, der Brennglas macht mit geſtohlnem Wiz Feuer! Deshalb:ſei fromm, das Glük kommt dann von ſelbſt! Beſonders haben die Rezenſenten obige Worte:Nur wi⸗ zig! ſich zu ihrem Leib- und Wahl⸗ ſpruch gemacht, und die Theaterdichter ſind ſo zuvorkommend, denſelben die Ar⸗ beit ungemein zu erleichtern. Sie brin⸗ gen aus purer Gefälligkeit ſo ſchwache Produkte zur Welt, in welche der Sta⸗ chel der Satyre recht tief einzudringen vermag. So erſchien am 30. Mai im k. k. Hofburgtheater ein neues Luſt, ſpiel in 2 Akten, von Dr. Römer: Brautſtand und Eheſtand, das dem Beurtheiler die Karten ſo ſchön miſcht, daß er Trumpf auf Trumpf aasſpielen kaun. Eine Frau will ins Theater gehen, dann will ſie in Geſellſchaft ge⸗ hen, dann wieder ins Theater, dann