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Das Mäßigkeitsvereinmitglied.
Vor Kurzem kam ein ſchwarz gekleideter Mann in aller Eile in eine
Apotheke in Edinburg und ſagte: Ich habe etwas
„Geben Sie mir geſchwind ein Brechmittel! hier,“ und er legte die Hand auf die
untern Knöpfe ſeiner
Weſte,„das mich ſehr beunruhigt.“ Der Apotheker glaubte, der Mann habe
aus Verſehen etwa Arſenik genommen, bald die gewöhnliche Wirkung hatte. Dann war der Fremde die Fragen des Apothekers zu beantworten.„Haben Sie Arſenik genommen*
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und gab ihm das Verlangte, das auch auch aufgelegter,
—„Nein,“ antwortete der Mann,„ich war bei einem Leichenbegängniß, den⸗
ee, das Vorgeſezte iſt Wein, trinke m iſt. Da ich nun Mitglied der Mäßigkeitsgeſellſchaft bin,
ein Glas aus, und finde, daß es Rum
ſo ließ mir mein
Gewiſſen keine Ruhe, bis ich das verderbliche Getränk wieder entfernt hatte.“
TLeitung der Novitäten und Anfichten.
Korreſpondenk.
Leipzig(20. Mai.) Die Zahl der anweſenden fremden Kunſt-, Muſik⸗ und Buchhändler überſteigt auch in die⸗ ſer Meſſe die gewöhnliche Anzahl von 500 nicht. In ihrem Verzeichniß lieſt man ſogar eine Firma aus Bukareſt. Das Reſultat des Meß⸗Geſchäfts iſt, berükſichtigt man die immer wachſende Konkurrenz, im Allgemeinen nicht ganz ſchlecht, obgleich bei einzelnen auch an getäuſchten Hoffnungen kein Mangel iſt. Der Bau der Buchhändler⸗Börſe schreitet raſch fort, und die Eröffnung derſelben in nächſter Oſtermeſſe wird gewiß eine ungewöhnliche Anzahl von fremden Buchhändlern herbei ziehen. Leider ereignete ſich vor einigen Tagen ein Unglüksfall, der für den Neubau keine unglükliche Vorbedeutung ſein möge; ein Zimmergeſelle ſtürzte vom Gerüſt und gab wenige Stunden dar⸗ auf ſeinen Geiſt auf. Der hier beſte⸗ bende Verein der Leipziger Buchhänd⸗ ler-Gehülfen hatte am Abend des 16ten Mai, im großen Saale des neuen Schäzenhauſes, den anweſenden frem⸗ den Kollegen zu Ehren, ein feſtliches Mahl veranſtaltet, an welchem die mei⸗
ſten hieſigen und auswärtigen Prinzi⸗ pale Theil nahmen, und welches in ei⸗ ner frohen Vereinigung von zirka 400 Perſonen bis gegen Morgen dauerte. Der Stadtrath und Buchhändler Hr. Fried. Fleiſcher brachte, nachdem auf das Wohl der anweſenden Gäſte ge— trunken ward einen Toaſt auf das Wohl der deutſchen Fürſten aus, de⸗ ren weiſe Geſeze dem Buchhändler-Ver⸗ kehr Schuz angedeihen laſſen. Das dar⸗ auf geſungene Trinklied erhöhte die feierliche Stimmung.— Am Sonntage Cantate, Morgens 9 Uhr, fand im je— zigen Vörſen⸗Lokale die General-Ver⸗ ſammlung ſämmtlicher anweſenden Buch- händler, welche durch Karten dazu ein⸗ geladen waren, ſtatt. Nach Beendigung der gewöhnlichen Geſchäfte des Kaſſi⸗ rers, der neuen Wahlen u. ſ. w. begann die Sizung mit einer wohlthätigen Handlung, indem aus dem Fond des Vereins eine beſtimmte Summe zur Unterſtüzung verarmter und hülfslo⸗ ſer Buchhändler ausgeſezt wurde. Der zeitige Börſen-Vorſtand, Hr. Buch⸗ händler Enslin aus Verlin, welcher den übernommenen Pflichten mit einem ſeltenen Eifer obliegt und in ſeiner Stellung ſeit einem Jahre des Guten


