Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
358
 
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Der gehuldigte Dichter.

Ein Oichter, der einige Verſe auf die Lotterie gemacht hatte, und eine Woche lang in Baris umhergelaufen war, um ſeine Lorbeeren zu ſammeln, ohne dieſelben finden zu können, verließ endlich die Stadt der Muſen und Grazien mit einer feierlichen Betheuerung, daß die Variſer gute Verſe von ſchlechten nicht zu unterſcheiden wüßten. Ein Paar Stunden von der Stadt ſezte er ſich nieder, um auszuruhen und bemerkte bald, daß er der Gegenſtand vorzüglicher Aufmerkſamkeit aller Vorübergehenden ſei. Einige nahmen die Hüte ab, Andere legten die Hand auf das Herz, einige blikten gen Himmel, als wollten ſie ihm danken, daß er ein ſolches Genie auf die Erde geſandt habe. Der Dichter war überraſcht entzükt außer ſich. Er ſtand auf und nahm dankend den Hut vor Allen ab, die ſo vorüber kamen. Endlich ſprang ein Mann vom Pferde, kniete nieder und rutſchte auf den Knien näher. Der Dich⸗ ter konnte nicht mehr an ſich halten.Nein, nein, mein lieber Freund! rief er;ſo dürfen Sie mir nicht huldigen. Ich ehre Ihren guten Geſchmak, aber bedenken Sie, daß ich, obgleich ich ſechezehn Sonette geſchrieben habe, doch nur ein Menſch bin. Der Knieende ſah ihn erſtaunt an, ließ ſich aber in ſeiner Anbetung weiter nicht ſtören. Der Dichter konnte nicht langer wi derſtehen dieſer entzükende Ungehorſam überwältigte ihn ganz. Er warf ſich mit Freudenthränen an den Hals des Knieenden. Der Mann ſprang auf und beide fielen ſo in den Staub. Bei dieſer unwillkührlichen Ernledrigung blikte der Dichter zufällig empor und ſah hinter ſich das Bild der heiligen Jungfrau. Das Geheimniß der Verbeugungen und des Kopfentblößens war nun enthüllt. Er ſtand auf, ſchüttelte den Staub ab, ging von dannen und ſchrieb nie Verſe wieder.

Nuzen der Hüte in Amerika.

Ich wurde einſt in New⸗York, erzählt ein Reiſender,von einem der heftigſten Stürme überfallen, die ich je erlebt habe. Wer ſich auf der Straße befand, verlor ſicherlich ſeinen Hut; das war natürlich, aber erklären konnte ich mir nicht, woher die Papierſtükchen, Gemüſe, Zeugſtükchen dc. ge⸗ kommen, welche in der Luft herumflogen. Ich machte einen Bekannten darauf auſfmerkſam, und dieſer ſagte mir:Kein Volk auf der Erde benuzt einen Hut zu ſo verſchiedenen Zweken als ein Dankee; er dient ihm nicht blos als Kopf⸗ bedekung, ſondern auch als Schreibpult, Speiſeſchrank und Mantelſak. Der Kaufmann trägt darin Waarenproben aller Art; der Arzt benuzt ihn als Arzneikaſten; der Verheirathete trägt vom Markte die eingekauften Kartoſ⸗ feln de. nach Hauſe, und der Reiſende bewahrt darin Wäſche de. Nichts iſt von den aufgeklärten Leuten mehr getadelt worden, als die neuliche Veränderung in der Form der Hüte. Bei der jezigen Mode derſelben iſt es geradezu un⸗ möglich, mehr in dem Hute zu beherbergen, als ein Taſchentuch und ein Du⸗ zend Zigarren. Sollte der Hut von der Mode noch mehr beſchnitten werden, ſo iſt es nicht zu ertragen, und wer weiß, welche ſchrekliche Revolution die Folge davon iſt. Die Farben ſind bei dieſer Schilderung allerdings etwas grell aufgetragen, die Sache aber an ſich hat ihre Nichtigkeit. Die Amerika⸗ ner ſtopfen wirklich den Hat voll Zeitungen, Brieſe, Zigarren de.