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Leitung der Novitäten und Anſichten.
Theater.
Pe ſt h. Aus den erwaß teten Gaſt⸗ rollen der berühmten Sängerin Mad. Schröder- Devrient ſoll nun nichts ge— worden ſein, da ſie ihre Forderungen zu hoch geſtellt haben ſoll. Hingegen wird uns bald Hr. Beyer, erſter Te⸗ noriſt des Münchner Hoftheaters, der ſchon ſeit längerer Zeit ſich hier be— findet, mit einem Cyklus ſeiner Lei⸗ ſtungen erfreuen. M.
Wien(27. Mai). Theater in der Joſephſtadt. Mad. Krauß 3 noch immer durch ihre Gaſt— rollen die muſikaliſche Welt, und wenn ſich auch kein zahlreiches Publikum ein⸗ findet, ſo iſt es doch ein gewähltes und kunſtverſtändiges. Bei dieſer Gelegen— heit muß ich der Bemerkung erwäh— nen, die Sie geehrter Hr. Redakteur, aus Anlaß eines Referenten von Wien, in Nro. 41. des Spiegels, zu machen beliebten. Ohne den ſchäzbacen Anſich— ten des Herrn Referenten im geringſten zu nahe zu treten, muß ich mein Urtheil, das ich in Nr. 40 über Hrn. Kreipl bei der erſten Vorſtellung des„Bravo“ aus- ſprach, wiederholen. Welche Urſache zum Grunde liegen mochte, daß Hr. K. dieſen Abend(und von ſonſt war keine Rede) nicht bei Stimme war, kann mich nicht kümmern, der ich nur die Leiſtung zu beurtheilen habe. Daß aber Hr. Kreipl bei der erſten Vorſtel⸗ lung dieſer Oper au pied de la let- tre fiasco machte, iſt die lautere Wahrheit. Im Rezitativ wie im Ge— ſange höchſt unſicher, war es ihm ſchlechterdings unmöglich, ſeine Auf— gabe zur Zufriedenheit der Anweſen⸗ den zu löſen. Zweifelsohne wird Hr. K. bei wiederholter Aufführung, deren
ich keiner mehr beiwohnte, jene Hin⸗
derniſſe zu beſeitigen gewußt haben, die ihm bei der erſten ſo hemmend in den Weg traten. Auf dieſe Weiſe glaube ich den Widerſpruch in den bei⸗ den Berichten erklärt, und mich vor den geehrten Leſern von dem Verdachte einer hämiſchen Parteilichkeit gereini— get zu haben. Meine Meinung iſt die eines Einzelnen, und kann nie als Regel gelten, aber ſie unverholen auszuſprechen befiehlt mir die Achtung für die Kunſt und das Blatt, für wel⸗ ches ich referire.— Im Theater in der Leopoldſtadt kam am 20. d. M. eine neue Pantomime von J. Fenzl zur Darſtellung. Sie heißt: „Pierrot als Waſſertreter, oder der errungene Preis.“ Schöne Gruppirun— gen und draſtiſch wirkende Späſſe un⸗ terhielten das zahlreich verſammelte Publikum. Die ſehr liebliche Muſik von A. Seutta und die Ausſtattung von Seite der Direktion trugen zur günſtigen Aufnahme deſſelben waker bei. Des rennomirten„Löwentritt“ verunglükter Verſuch im Waſſertreten macht die Pointe der Handlung. Vor— her gab man zum erſten Mal:„Alt und Jung“, Luſtſpiel in 2 Akten, nach Scribe, von A. Naske. Eine artige Kleinigkeit, die, als dramatiſche Fe derprobe des Verfaſſers, zu Erwartun⸗ gen berechtiget.— Delle. Hoch ga— ſtirte indeß, außer der Polixena, als Margarethe, in dem weinerlichen Iff⸗ landſchen„Veſuch auf dem Lande“ und in Herzenskrons allerliebſtem„Bräu⸗ tigam ohne Braut“ und gefiel.— Die im Theater an der Wien zur Beneſize des Hr. Scholz gegebene Poſ— ſe:„Der melancholiſche Schuſter“, iſt nicht von Neſtroy, wie uns gleich die erſte Auſſührung derſelben belehrte. Ich für meinen Theil wäre verlegen, wenn ich ſagen ſollte, was dieſes Mach⸗


