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Dolcetta bebte, und ſagte noch ſtärker erbleichend:„Ihr habt doch keln Verbrechen begangen?“ 0
„Dem Himmel ſei Dank!“ erwiderte der Gefragte,„kein böſer Ge⸗ danke belaſtiget mich.— Ich liebe Euch Dolcetta mit dem Feuer der erſten reinſten Liebe,— aber uns trennen Verhältniſſe— ich kann nie Euer Gatte werden!—“
„Nie— nie,“ ſprach kaum hörbar Dolcetta,„Eure Geburt ſcheidet Euch von des Wechslers Tochter—“ und als ſie dieſes ausſprach, fiel ihr, wie ein Bliz aus hohem Himmel in ihr aufgegangenes Glük, zerſtörend der Gedanke bei: von ihr aus wäre wohl die Unmöglichkeit denkbarer, welche ihr nie Heinrichs Bündniß erlaubte.— Ihres Vaters eingedenk, wollte ſie eben das von ihm Aufgetragene über ihre Verhältniſſe aufklären, als Heinrich kla— gend einfiel:„Wäre ich auch von Adel, dies wäre kein Hinderniß, mich mit Schönheit und Anmuth zu verbinden.— O Dolcetta, wie glüklich würde mich dein Beſiz dünken, ich würde ſtreben alle deine Wünſche, und wären ſie noch ſo ungenügſam, zu erfüllen; denn ich und meine Eltern ſind reich— doch daß herbſte aller Schikſale iſt über mich eingebrochen— dir ſoll ich entſagen!!“ Er barg ſeine thränenvollen Augen in die Hände.— Dolcetta er mutbigte ſich, ſie fühlte ſich durch den Sieg über ſich ſelbſt erhaben, ſie fühlte— daß es i hr zukomme zu entſagen und wollte dem Geliebten Muth einflößen. Indem nun klar und würdig ihr Gefühl vor ihre Seele trat, ergriff ſie Heinrichs Hände und faßte ſie in die ihrigen. Tlef bewegt nahm ſie das Wort:
„Mein ehrwürdiger Vater hat mir geboten, falls Ihr Euch erkläret, Euch mit unſeren Verhältniſſen bekannt zu machen. Ich ſehe es ein, daß dieſe Erklärung uns beiden die Ruhe geben wird, und die gegenſeitige Entſagung erleichtern. So wiſſet denn— mein Vater iſt Jakob Stern, Wechsler in War⸗ ſchau, wenn auch im großen Verluſt durch den Kriegslauf, doch immer noch reich— er iſt ein Iſraelit, und ich bin in ſeinem Glauben erzogen.— Hier ſenkte ſie das Auge, und ein ſchmerzliches Weh durchzukte das ſchoͤne Herz, ſie hatte ſich ja eben von ihrer erſten Liebe losgeſagt.— Heinrich ſtarrte ohne Athemzug die Sprecherin an.— Endlich gewann er Beſinnung und konnte ſein Glük faſſen, er lag zu ihren Füſſen, und begann mit liebeathmender
Stimme:„„Dolcetta, heißgeliebtes Mädchen!— du— du hatteſt den Muth auszuſprechen, was nicht über meine Zunge wollte— auch ich bin deines Glaubens— nun trennt uns nichts mehr!“— Die Geliebte bob ihn empor und lag an ſeinem Herzen, und durch den Mund der Liebenden küßten ſich auch ibre Seelen. Doltcettens welterfahrner Vater, hatte in Heinrich einen Glau⸗ bensgenoſſen, und in ihm nach ſeinem Wunſch einen Gatten für Dolcetten er— kannt; auch war ihm ſein Vater, der Banquier Moſes Lebrecht in Frankfurt, nicht unbekannt. Wohlweislich hatte er die deutſche Sprache nicht zum Ver⸗ räther wollen werden laſſen, auch hatte er Heinrichs Seelenzuſtand beobachtet. — Nun löſte ſich das Geſchik ſo freundlich. In Frankfurt ward Dolcetta nun glükliche Gattin, dort vernahm Jakob Stern das indeſſen vorgegangene Able— ben der Fürſtin, für die er ohnehin keinen Troſt gebracht hätte. Er legte nun ſeine Geſchäfte ab, und lebte ſür ſeine Kinder. Vor Kurzem hat ihn die junge Frau mit einem Enkel erfreut. Heinrich, höchſt beſeligt, lebt nur ſür Dolcettas Liebe. Der Fürſt ſoll nach Amerika gereiſet ſein.
C. defnens f


