Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
346
 
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Nimmermehr, ſagte dieſer,ſieht mich mein Vaterland wleder. Melne Entwürfe, meine Beſtrebungen, ſelbſt mein Leben iſt der Nemeſis verfallen, ich muß mich los ſagen von Allem, was mir theuer iſt.

Es gibt Pflichten, mein Fürſt, entgegnete der Greis,die nie aufhö ren, und deren Würde in die Seele geſchrieben iſt.

Das Unglük hat ſie alle aufgelöſt, ſagte der Fürſt ſo nennen wir ihn fortan mit dumpfer tonloſer Stimme.

Die Pflicht der Dankbarkeit legte mir auf, die Wünſche elner edlen Mutter zu erfüllen. Als mein ſchönes Familienhaus in der Warſchauer Vor ſtadt vom Feinde mit allem Beſizthum zerſtört ward, da fand ich Zuflucht, erzählte der Alte,in dem Pallaſte Eurer Vorfahren, ich war hier Zeuge ihres Grames um den geliebten Sohn, den ſie in weiter Ferne wußte. Mit vieler Mühe gelang es ihr endlich, einen Gnadenbrief für Euch zu erwirken, und da mochte ſie keinem den Auftrag an Euch anvertrauen, als mir.

Als dir! guter, edler Greis! ſiel ihm der Fürſt ins Wort. Mit erſchütternden Gefühlen hatte er auf des Greiſes Rede gehört, ein inne⸗ rer Kampf von Kindestiebe und erlebtem Waffenunglük malte ſich in ſeinen Zügen, der ſich endlich in düſtern Ernſt aufloſte.

Du ſprichſt aus dem Herzen, biedrer Freund! du verſchweigſt, welche Opfer du ſelbſt der Nation brachteſt, wovon dein zerſtörtes Haus nur ein klel ner unfreiwilliger Theil iſt. Aber ſage ſelbſt, was ſoll ich wieder auf dem Schauplaz, der mich an vergebliche Großthaten, an untergangene Pläne erin nert, wo ich weder froh noch thätig ſein kann. Meine Mutter, fuhr er be⸗ wegt fort,möge mich bedauern, aber ſich der harten Nothwendigkeit fügen des Mannes erdrüktes Gefühl macht die Rükkehr unmöglich.

Dieſes wäre alſo abgethan, ſagte der Greis ſchmerzlich.Nun aber in meiner eigenen Angelegenheit ein Wort an Euch mein Fürſt! Gebt mir meine Tochter zurük, die Ihr hier im Hauſe in Eurem Gewahrſam habt, denn ich weiß es, daß Ihr ſie entführtet.

Der Fürſt wollte ſich eben von der Zumuthung losſagen, als die Thüre des Nebenzimmers aufgeriſſen wurde, und Dolcetta freudetrunken in ihres Vaters Arme flog.Nun bin ich gerettet, ſagte ſie froh aufathmend.Er bat es nicht gut mit mir gemeint, guter Vater. i

Fürſt! ſagte der Greis mit vorwurfsvoller Miene,wie konntet Ihr den Frieden eines unſchuldigen Mädchens ſtören?

Mit Dolcetta, erwiderte der Fürſt,hatte ich mehr Gutes im Sinn, als ihr Beide glaubt, durch ſie hätte das Leben wieder für mich Reiz gewon⸗ nen, ihre Gegenliebe mir Roſen geſtreut ich überzeugte mich von ihrem Werthe, ihre Hand hätte mich mit dem Schikſale ausgeſöhnt, aber ſelbſt dei ne reizumfloßne Tochter die Tochter Jakobs Ster n, des reichſten Wechslers in Polen, kann nie ich ſage es mit Schmerz nie meine Gattin wer- den. Gehe mein Freund! und bedaure denjenigen, deſſen beſten Entſchlüſſe, deſſen ſchönſten Entwürſe mit herber Täuſchung enden! Holde Dolcetta, grolle nicht mit dem Ungtüklichen, lange noch wirſt du mit deinem Unſchuldreiz vor meiner Seele ſtehen. Er reichte Beiden die Hände zum Abſchied. Dem Greiſe traten Thränen in die Augen, er hatte den Fürſten als Kind, als Jüngling und Mann, den Stolz ſeines Hauſes gekannt und nun eln